Dienstag, 27. August 2013

Vorbereitungswoche

Nu isses so weit! Wir fahren jeden Tag zur Schule. Zwar sind dort noch keine Schüler und - alhamduliläh (Gott sei dank) - müssen wir auch erst um 9 Uhr da sein, aber so ein kleiner Hauch von Alltag macht sich bemerkbar. Die letzten drei Tage ist viel passiert - aus schulischer Sicht - und es würde den Rahmen sprengen hier alles aufschreiben zu wollen. Außerdem möchte ich die Nicht-Lehrer auch nicht langweilen mit schulinternen Krams. Ach ja, und außerdem dürfen wir auch nichts schulinternes ausplaudern. Gab's bei der Gesamkonferenz eine längere Standpauke zum Thema. 

Aber, und das muss ich erzählen, weil's glaube ich typisch für den weiteren Alltag hier sein wird, trotzdem eine kleine Anekdote.

Nach der Gesamtkonfernz bat der Direktor, der ebenfalls neu an der Schule ist, eine kleine Gruppe von Lehrern zum Gespräch, weil er etwas an der Unterrichtsverteilung ändern wollte. Er ging also mit jedem einzeln den Plan, welche Klassen und Fächer derjenige unterrichten soll, durch und irgendwann war ich an der Reihe. Meine 6. Klasse darf ich so wie's ursprünglich geplant war behalten, aber im Grundschulbereich sollte sich etwas ändern. Meine Info war die 2. Klasse in Mathe. Er hatte jedoch die Info, ich soll Mathe in der 3. machen. Das wiederum wollte er - aus welchen Gründen auch immer - nicht und gab mir die 4. in Mathe. Ob nun 2., 3. oder 4., war mir eigentlich relativ egal und so habe ich zugestimmt. Kaum raus aus dem Konferenzraum kommt die ägyptische Verwaltungschefin und drückt mir ein Arbeitsheft für die 3. Klasse Mathe in die Hand mit den Worten, da sei grad ein Schüler da, der an unsere Schule in die 4. Klasse soll und bat mich, mal eben einen Eignungstest zusammen zu kopieren. Ich, keinen Plan, was in der 3. behandelt wurde, geschweige denn, was man für die 4. Klasse braucht, aber nichtsdestotrotz natürlich arbeitswillig und folgsam zum Kopierraum gewatschelt. Auf dem Weg dorthin das Heft durchgeblättert und auf Hochtouren überlegt, was und wieviel ich so einem Kanditaten jetzt zumuten könnte. Der Kopierraum wird - das muss man dazu sagen - von einer taubstummen (sic!) Ägypterin bedient und dieser habe ich nun versucht zu erklären, was ich will. Die Blicke von ihr, als ich anfing, ihre kopierten Seiten auseinanderzuschneiden und neu zusammen zu ordnen, waren göttlich! Gut und schön, irgendwann hatte ich vier Seiten diverser Matheaufgaben zusammengeschustert. Zurück im Direktorenzimmer werde ich von einer Kollegin angesprochen, dass ich nun doch kein Mathe in der 4. Klasse hätte. Äh...okay. Macht nix, ich habe den Test gerne innerhalb von 10 Minuten zusammengestellt... Erstaunlicherweise habe ich mich aber weder äußerlich noch innerlich darüber aufgeregt, weil ich ja irgendwie schon geahnt habe, dass es zu solchen Situationen kommen würde.

Ach so, statt den ursprünglich geplanten 27 Stunden habe ich momentan 18, der Rest setzt sich aus 2 Stunden AG und Förderunterricht zusammen. Förderunterricht - ich! Zum Glück hat mir der Direktor aber schon erzählt, wie er sich das vorstellt und damit ein wenig die Unsicherheit genommen. Mal sehen, wie das wird. Eigentlich find ich's nicht so prickelnd, auf der anderen Seite, kann ich ja nur dazu lernen. 

Und hier mein noch unfertiger Klassenraum, der sich in der nächsten Zeit hoffentlich mit Leben füllt:

(noch) keine Stühle für die 14 SuS

Überreste aus dem Vorjahr, die darauf warten aussortiert zu werden

alhamduliläh (siehe oben) gibt's nen Ventilator, wenn schon keine Klimaanlage vorhanden ist

der Ausblick auf den Fuhrpark der Schule und einem Teil von Alexandria

Freitag, 23. August 2013

Langsam zieht der Alltag ein

So langsam aber sicher, scheint sich die Lage zu beruhigen. So zumindest mein Eindruck. Nachdem wir vorige Woche den "Freitag der Wut" hinter uns gebracht haben, stand heute der "Freitag der Märtyrer" an. In Agami ist davon nichts zu merken. Außer dass der Muezzin heute Mittag nicht wie sonst nur 10 Minuten zu hören war, sondern ganze zwei Stunden. Diese waren, zugegeben, nicht ganz stressfrei für mich. Irgendwann zehrt das - bei aller vorhandenen Toleranz - doch an den Nerven. Ich rechne momentan damit, dass er sich auch heute Abend mehr Zeit als sonst lässt. Das Schlimme für mich ist, neben der unglaublichen Lautstärke, das Nicht-Verstehen des Gesagten. Denn Gebet und Aufruf kann man auch ohne Sprachkenntnisse auseinanderhalten und das heute Mittag war kein Gebet. Die Frage ist nur, wozu ruft er auf? Zur Besonnenheit und Friede? Oder zum Märtyrertod und Aufstand? Arabisch klingt ja für mich immer ein wenig aggressiv, auch wenn sich das mit jedem neu erlernten Wort relativiert. 

Apropos Lernen der Sprache: Hier hat eine Kollegin, die bereits zwei Jahre in Alex ist, eine Chance aufgetan, gut und günstig ägyptisch-arabisch zu lernen. Bisher war mir mein Vorgehen noch nicht so ganz klar, weil die Möglichkeiten ja doch begrenzt sind. Bisher gab's davon genau zwei: 1. Sprachschule in Alex. Heißt, englische Unterrichtssprache, höhere Organisation und Kosten der Fahrten zwischen Schule - Sprachschule - Wohnung. Beides nur begrenzt reizvoll. 2. Sprachkurs via Skype. Es gibt eine Schweizerin, die so etwas anbietet. Vorteil: Privatunterricht via face to face. Nachteil: die Kosten (ich glaube, 100 Euro für 4 Kurse im Monat). Außerdem hat sie selbst in Luxor die Sprache gelernt und dort spricht man einen anderen Dialekt als hier im Norden. Ist dann wahrscheinlich so, als würde ich als nicht-deutschsprechender Mensch bayrisch lernen. Bringt mir in Berlin nicht so viel, auch wenn man mich bestimmt versteht. Nun gibt es aber eine deutschsprechende Arabischlehrerin, die bis zum letzten Schuljahr an unserer Schule unterrichtet hat und dann entlassen wurde. Glaubt man den Aussagen der anderen Kolleginnen, lag das nicht an ihrer Unfähigkeit. Jedenfalls wäre sie bereit nach Agami zu kommen und uns Privatunterricht zu geben. Den Vorschlag des Gatten einer ebenfalls neuangekommenen Kollegin, man könne sich doch als Gruppe zusammentun, habe ich freundlich aber bestimmt abgelehnt. Ich war und bin eine schlechte Schülerin, erst recht, wenn es um Sprachen geht. Da brauche ich jemanden für mich alleine. Jemanden, der meine Vorkenntnisse berücksichtigen kann und auf mein Unverständnis für Neuerlerntes eingeht. Hinzu kommt, dass wir alle einen anderen Wissenstand haben, im Zweifelsfall also wieder bei Null anfangen müssten. Jedenfalls liegt die Kostenprognose bei 50 Pfund pro Stunde. Bei zwei Stunden pro Woche (ja, ich bin da sehr optimistisch ;-)) wären das umgerechnet plus/minus 40 Euro. Je nach Kurs könnten's auch 45 Euro sein. Im Vergleich zum Skypekurs eine deutliche Verbesserung. Nun brenne ich darauf, endlich loszulegen und muss morgen direkt mal die Kollegin fragen, ob sie das endgültig terminieren kann. 

Sonst müsste ich das Angebot des Hauswartes annehmen, der gestern bei mir war. Nach der Saison, so versicherte er mir, würde er mir das auch beibringen. Mafish mushkila. Leider spricht er nur ein gebrochenes Englisch und mitunter bin ich froh, doch das ein oder andere Wort Arabisch zu verstehen, wenn er das in seine englischen Ausführungen einstreut. Nur zur Sicherheit habe ich auf seine Nachfrage auch erläutert, dass ich einen Freund in Deutschland habe...

Und als Beweis, dass es mir hier wirklich super geht, ein paar Bilder, wo ich in den letzten Tagen so meine Zeit verbracht habe:

bei einem Kollegen der anderen deutschen Schule
Terasse einer Kollegin
im Sommerhaus an der Nordküste einer ägyptischen Kollegin
Ich glaube, man kann sehen, dass es hier schön und friedlich ist. Bei dem Kollegen mit dem Pool auf dem oberen Bild waren wir in den letzten Tagen öfter eingeladen. Dort treffen sich die Neuankömmlinge und beraten über die jeweils aktuelle Situation und tauschen sich über die Neuheiten ihrer beiden Schulen aus. Vorgestern war große Grillparty, zu der ich mich an einem schwäbischen Kartoffelsalat (dessen Zutaten hier am einfachsten zu besorgen waren) versucht habe. Schön hat er nicht ausgesehen, aber es wurde mir versichter, er schmeckt sehr gut. Da bin ich ja beruhigt ;-)

Auf der Terasse der Kollegin sitze ich fast jeden Tag auf einen Kaffee und lasse mir Tipps und Tricks geben und höre nebenbei Anekdoten aus zwei Jahren Aufenthalt in Ägypten sowie Arbeiten an meiner Schule an. Es gibt Schlimmeres. Nebenbei lerne ich zwei künftige Schüler (ihre Kinder) kennen und durfte mir schon die Bitte der Tochter anhören, die in meiner Klasse sein wird: Bitte sei streng bei uns! Na mal sehen, ob ich das schaffe!

Und im Sommerhaus waren wir über Nacht eingeladen. Das liegt ein bisschen außerhalb von Alex, auch direkt am Meer und war sehr schön. So schön, dass wir es vor Schulbeginn noch einmal wiederholen möchten. Abends Shisha rauchen am Strand, morgens mit den Füßen im Pool den ersten Kaffee und die erste Zigarette genießen. 

Im Übrigen werde ich mir Anfang September noch andere Wohnungen ansehen. Einfach so. Ich hätte gerne die Wahl - und auch eine schöne Terasse. Am liebsten einen Pool. Aber zweiteres wird wohl ein Traum bleiben. Zu einem Pool gehört ein Haus und darauf folgen zwingend: eine Putzfrau, ein Poolboy, ein Gärtner, ein Hauswächter (Bawwab), die zwar alle nicht die Welt kosten, aber halt doch nicht umsonst arbeiten. Mein Hauswart meinte gestern, so ein Haus kostet im Schnitt 7000 Pfund (700-750 Euro). Für europäische Verhältnisse immer noch ein Schnäppchen, aber ich bin ja nicht hier, um mein verdientes Geld in Miete zu investieren. Leider. Schön wär's schon! 

So, und übermorgen geht's dann auch endlich los mit der Schule und dem Geldverdienen. Insha'allah! Unser Direktor ist da und bis zum Schulbeginn, der auf den 9.9. verschoben wurde, sollen auch die noch fehlenden 2 Kolleginnen hier sein. Aber ich hoffe, dass ich am Sonntag bei der Konferenz schon ein paar Eckdaten erfahre, wie sich die zwei Wochen bis zum Schulbeginn gestalten. Sollen wir jeden Tag in die Schule? Bekomme ich endlich die Bücher und kann konkret was vorbereiten? Sitzen wir die Zeit einfach ab? Fragen über Fragen, die hoffentlich bald beantwortet sind.

(ich könnte gefühlt noch eine Ewigkeit weiter schreiben, aber ich will ja nicht, dass es hier überhand nimmt ;-) Zumal ich mit den meisten Lesern ja doch im Mail- bzw. Skypekontakt stehe)

Montag, 19. August 2013

Zwischen den Stühlen

Ich kann es gar nicht oft genug schreiben: egal, was in den Nachrichten gezeigt wird, hier wo ich wohne, ist alles ruhig und geht seinen normalen Gang. Das Problem momentan ist, dass keiner weiß, wie's weiter geht. Die Schule verhält sich so, als würde sie am 1.9. tatsächlich ihre Pforten für die Schüler öffnen, die Medien lassen einen nahenden Bürgerkrieg erahnen und keiner weiß, was nun tatsächlich passiert. Das macht das Einleben im neuen Land ein bisschen schwer. Das Vorhaben einen Drucker zu kaufen, wird jetzt also verschoben, nicht nur, weil die Bankautomaten in den letzten Tagen leer waren, sondern, weil ich nicht sinnlos Geld ausgeben möchte, falls doch alles anders kommt, als ich es mir momentan noch erhoffe.

Nun gehöre ich aber wahrscheinlich noch zu den sehr optimistischen "Neuen". Andere überlegen, ob sie erstmal zurück nach Deutschland fliegen und dann zurückkommen, wenn die Schule tatsächlich startet und/oder es ein paar Tage ruhig war. Was ich nicht wirklich verstehen kann. Schon gar nicht, wenn man auch hier wohnt. Eine Familie beispielsweise lebt nicht weit von hier, in einem riesigen Haus, großem Garten und Pool, in dem die Mädchen den ganzen Tag planschen. Es gibt Lebensmittel zu kaufen, man kann auch nach der Ausgangssperre raus. Den Stress des Kofferpackens, nach Kairo fahren und zu fliegen, würde ich mir ehrlich gesagt nicht antun. Einen anderen Kollegen, dessen Familie noch in Deutschland ist, kann ich tatsächlich verstehen. Der will halt einfach nur bei seiner Familie sein. Schlussendlich muss das jeder für sich entscheiden. Doof nur, dass die Zfa, die für die anderen Neuankömmlinge Ausreiseverbot verhängt hat, sich um uns überhaupt nicht mehr kümmert. Da kam bisher keine einzige Nachricht, in der vielleicht mal nachgefragt wird, wie's einem geht oder wie der Plan aussieht, wenn sich die Situation tatsächlich verschlimmern sollte. Da tun sie sich gerade nicht sehr hervor. Gerade für die, die hier noch keinen Anschluss gefunden haben, ist das im Zweifelsfall noch schlimmer. 

Da bin ich jeden Tag dankbar dafür, dass ich im Mai schon mal hier war und dementsprechend Kontakte zu anderen, alteingesessenen Lehrerinnen (auch ägyptischen) habe, die die Situation wieder aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Die sind nicht naiv (was die politische Situation angeht), sondern einfach viel pragmatischer. Die Schule wird beginnen, vielleicht nicht mit allen Schülern und vielleicht auch nur mit verkürzten Stunden (weil es wohl bis 15 Uhr in den Straßen ruhig ist und erst danach die Demos anfangen), aber es wird weitergehen. So ganz genau kann man ja eh nie sagen, was morgen wird. Selbst, wenn es keine Unruhen gäbe. Und so bin ich heute mit einer anderen Kollegin und deren Kindern ins Sommerhaus einer ägyptischen Kollegin eingeladen, wo wir außer im Pool planschen und schnattern noch Einstufungstests für drei Schüler konzipieren, die neu an unsere Schule kommen. Vorher übe ich mich schon mal ein bisschen in Mathe und gebe der Tochter der Kollegin ein bisschen Nachhilfeunterricht, damit sie nicht allzu doll hinterher hängt. Das ist auch in meinem Sinne, ist die Tochter doch auch in meiner Klasse, die ich auch in Mathe habe. 

Na ja, unser neuer Direktor fliegt wohl heute (ist heute Dienstag? Mein Zeitgefühl ist völlig hinüber...) auf eigene Gefahr, eine andere Kollegin wartet noch auf die Aufhebung des Ausreiseverbots. Mal sehen. Die Kollegin, die mit Mann und Baby hergekommen ist, fühlt sich scheinbar nicht so wohl. Aber was will man erwarten, wenn man sich vorher überhaupt nicht mit dem Land, in das man ausreist, informiert hat. Zwar sagen sie, sie hätten sich informiert, es macht nur nicht den Eindruck. Der Müll ist schlimm, es ist laut, die Wohnungen haben nicht den Standard wie in Deutschland etc. Dabei dachte ich, dass das Müllproblem relativ schnell klar wird, wenn man sich mit Ägypten beschäftigt. Araber sind auch in Deutschland laut und über den Standard müssen wir gar nicht reden. Ich sehe die drei noch keine zwei Jahre hier... 

Für mich wäre es grad wichtig, dass die Schule beginnt. Ich kann's kaum erwarten und würde mich sehr freuen, wenn sich alles bald normalisiert. So halbwegs zumindest.

Freitag, 16. August 2013

Ausnahmezustand

Weil's nun grad ganz aktuell ist, hier nun doch mal eine kleine Meldung von mir, für diejenigen, mit denen ich in den letzten Tagen keinen Kontakt hatte.

Während es in Kairo hoch hergeht und in Alexandria wohl auch nicht ganz harmlos zugeht, ist es hier in Agami verhältnismäßig ruhig. Zwar wird auch uns davon abgeraten, allzu große Touren zu machen, aber innerhalb unseres Viertels kann man sich frei bewegen, einkaufen, an den Strand. Nichtsdestotrotz habe ich mir einen kleinen Vorrat an Wasser und Lebensmitteln angelegt, falls es doch noch eng werden sollte. Auch an die Ausgangssperre hält man sich hier nicht wirklich. Gemeint bin natürlich nicht ich, sondern die Ägypter. Ich bleibe brav nach 19 Uhr zuhause, schon alleine, weil's dann dunkel ist und ich noch zu fremd, als dass ich mich dann sicher draußen bewegen kann. 

Was das ganze jetzt für die Schule bedeutet, weiß auch kein Mensch. Der neue Direktor sitzt in Deutschland fest und darf auf Anweisung von Köln vorerst nicht fliegen. Die ägyptische Schulleitung hält trotzdem am bestehenden Plan fest, mit der Ausnahme, dass die Gesamtkonferenz nicht am 18., sondern erst am 19. stattfindet. Allerdings ist der Direktor dann auch nicht da und mit ihm fehlen auch die Stundenpläne. Zwei Kolleginnen, deren Kinder auch auf der Schule sind, überlegen aktuell, ob sie ihre Kindern dann überhaupt mit zur Schule nehmen. 2011 war es wohl so, dass die Schule auch während der Revolution offen hatte, aber viele Eltern ihre Kinder nicht hingeschickt haben. Wie's weiter geht, man wird abwarten müssen.

Da es mir aber am Strand zu voll ist, und mir sonst langweilig, beginne ich jetzt doch mit der konkreten Unterrichtsplanung. Die Zeit wäre mir sonst zu schade.

Montag, 12. August 2013

Eindrücke

mein neuer Arbeitsplatz mit Blick aus dem Balkon

der Ausblick aus dem Balkon - zugegebenermaßen gezoomt (aber ich kann das Meer tatsächlich mit bloßem Auge sehen)

bei der Hitze abends eine wahre Wohltat - und das Bier ist gar nicht mal so teuer mit 80-90ct/0,5l

mein erster "Großeinkauf" - endlich Vitamine, Feta im Tetrapack und Knorr Gemüsesuppe :-D

Das Problem mit kleinen Lügen


In Ägypten ist es üblich, dass die Mietshäuser eine Bawwab haben. Das ist ein Mann, der den ganzen Tag vorm Haus sitzt, die Miete bekommt, aufpasst, wer rein und raus geht, auch mal hilft die Einkäufe hochzutragen und ab und an Bakschisch für kleine Gefälligkeiten bekommt. So jemanden hat mein Haus (leider?) nicht. Dafür haben wir eine Art Hauswart, der eigentlich immer irgendwo in der Nähe ist und sich auch um alles kümmert - von der Strandkarte bis zu Reparaturen. Geld bekommt er dafür von uns Mietern nicht, dafür ist er aber sehr neugierig und quatscht einen zu, während er Dinge in der Wohnung repariert. Nun gut. Gestern war er zweimal da, um die Toilettenspülungen und Wasserhähne in Gang zu setzen (yeah, ich habe momentan zwei funktionierende Bäder :-)). Anschließend saßen wir auf dem Balkon, um noch eine zu rauchen, bevor ich ihn dann quasi rausschmeißen musste. 

Vorher allerdings unterhielten wir uns über alles mögliche bis der Muezzin anfing zu rufen. Da fing er an, mir die Gebetszeiten aufzuzählen mit der anschließenden Beteuerung, dass in Alex alle Religionen friedlich nebeneinander leben könnten. Und es kam wie's kommen musste: die Frage nach meiner Religionszugehörigkeit! Mist, sowas wollte ich doch vermeiden! Hätte er mich nun gefragt, ob ich Christ sei, hätte ich vielleicht noch stumm nicken können, hat er aber nicht. Sondern er fragte direkt, ob ich katholisch oder protestantisch sei und da konnte ich vor lauter Schreck nur, keins von beiden, rausbekommen. Er hat mich angesehen wie ein Auto. In dem Moment war mir natürlich klar, dass diese Antwort nicht allzu günstig war und hab ihm versichert, dass ich überhaupt kein Problem mit irgendeiner Religion hätte und ich nur konfessionslos bin, weil ich ungläubige Eltern habe (an dieser Stelle: Entschuldigung, Mutti und Vati, aber irgendwer muss ja schuld sein :-)). Nun ja, jetzt weiß wahrscheinlich ganz Agami, wo die ungläubige Hexe wohnt, denn unser Hauswart ist ein altes Tratschweib (wie fast alle Ägypter, so wurde mir erzählt). Ich bin mal gespannt, ob das irgendwelche nennenswerten Folgen für mich hat...

zur Erklärung für die, die's nicht wissen: im Islam ist es völlig unverstellbar und ganz schlimm, wenn jemand nicht an Gott glaubt. Die Buchreligionen (Christentum, Judentum, Islam) werden anerkannt, alles andere geht nicht. Wobei ich mich ernsthaft frage, ob's wirklich besser gewesen wäre, ich wäre Jüdin. Kann ich mir auch nicht vorstellen. Mein ursprünglicher Plan lautete ja nun, einfach zu sagen, ich bin keine Muslima, weil "die" dann davon ausgehen, dass man Christin ist. Das wäre so ein Mittelding zwischen Wahrheit und Falschverstanden für mich gewesen. Aber nun gut, jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen...

Vorletzte Nacht wurde ich übrigens von Schüssen geweckt. Verschlafen habe ich überlegt, ob's immernoch Feuerwerke von den Ramadanfeierlichkeiten sind (die eigentlich vorbei sein sollten) oder ob doch der Bürgerkrieg ausbricht. Morgens habe ich direkt in die Zeitungen geschaut, ob irgendwas passiert ist, konnte aber nichts finden. Der Hauswart erklärte mir jedoch, dass bei Hochzeiten oder anderen Feiern gerne in die Luft geschossen wird, da solle ich mir keine Gedanken machen. Komische Sitten... Heute Nacht habe ich die Schüsse wiedergehört und konnte gleich beruhigt weiterschlafen. Fragt sich nur, ob ich freudige Schüsse von gefährlichen Schüssen unterscheiden könnte. Aber ich hoffe einfach, dass ich zweitere nie hören muss.

Sonntag, 11. August 2013

Angekommen!

Nachdem es gestern nicht geklappt hatte, hier kurz zu berichten, versuche ich es heute morgen eben noch einmal. Und wer sich wundert, warum ich an einem freien Tag so früh wach bin, dem sei gesagt, dass es sich bei Hitze ganz schlecht schlafen lässt. Eigentlich wollte ich eine Stunde vorm Schlafengehen die Klimaanlage anmachen, habe aber noch nicht rausgefunden, wie sie funktioniert :-( Aber kommt Zeit, kommt Rat. Heute schau ich mal, ob ich die im Wohnzimmer und im Gästezimmer anbekomme, dann weiß ich zumindest, ob's an meiner Unkenntnis liegt oder ob die im Schlafzimmer einfach nicht funktioniert.

Nicht funktionieren tut hier einiges und so lege ich ziemlich viele Laufmeter zurück, wenn ich die einfachsten Dinge verrichte. Zum Beispiel kann ich in einem der beiden Bäder auf die Toilette, das Händewaschen funktioniert aber nur im anderen Bad. Dort wiederum versagt die Toilettenspülung ihren Dienst. Duschen kann ich theoretisch in beiden Bädern, wobei aus dem Duschkopf des einen Bades nur ein Rinnsal Wasser kommt. Was nicht so schlimm ist, da in diesem Bad auch das Licht nicht geht. Gestern morgen kam überhaupt kein Wasser, weshalb das Duschen auf später verschoben werden musste (solange man noch nicht in die Schule muss, kein Problem). Weil hier alles so staubig ist, hatte ich gestern den Plan die Bettwäsche zu waschen. Nicht lange nachdem ich die Maschine angestellt habe (Gott weiß, welches Programm ich eingestellt hatte - konnte leider nichts lesen), durfte ich die Küche wischen. Die riecht dafür jetzt schön nach Weichspüler und Waschmittel, da der Schlauch der Waschmaschine undicht ist und ich am Ende erstaunt war, dass die Wäsche überhaupt nass geworden ist. Notdürftig konnte ich den Schlauch mit Klebeband dichten, so dass jetzt zumindest nur noch ein kleiner Rinnsal rauskommt. Bei dem Versuch meine Kleidung in den Schränken zu verstauen, dachte ich zunächst, dass die Hälfte der Schränke nicht nutzbar sind, weil die Türen nicht aufgingen. Mittlerweile weiß ich aber, dass es nur eine Frage des Fingerspitzengefühls ist. So weit, so gut. Mafish Mushkilla (kein Problem)!

Wengistens hatte die Abholung vom Flughafen Kairo gut geklappt und hätte ich gewusst, dass ein Reisebus für 50 Personen auf mich wartet, hätte ich doch einige Familienmitglieder und Freunde mitbringen können. Der Fahrer und sein Adjudant sprachen leider kein Wort Englisch, sodass ich die ca. 4-stündige Fahrt so ziemlich in Schweigen verbringen musste, welches nur durch regelmäßiges "Shukran" (danke) unterbrochen werden konnte. Shukran für eine Zigarette nach der anderen, shukran für das Koffertragen, shukran für den Chai, der frisch im Bus gekocht wurde. Mit einem Gasbrenner. Bei fahrendem Bus. Ich habe zwischen deutscher Fassungslosigkeit und Lachen geschwankt. War schon ein Abenteuer...


Die halbe Fahrt durch Kairo verlief dafür ruhig und ich konnte überhaupt nichts Aufregendes auf den Straßen feststellen. Viele Menschen, große Märkte, aber das ist in Kairo ja wohl normal. In Alex war die Hölle auf den Straßen los, was aber keinen politischen Hintergrund hatte, sondern nur den, dass der letzte Tag der Ramadanfeierlichkeiten war. Heute Nacht habe ich Feuerwerksknaller gehört, von denen ich kurz dachte, dass es sich um Schüsse handelt. Deshalb habe ich nach dem Aufstehen direkt in die Nachrichten geschaut, ob irgendwas passiert ist. Da dort aber nichts stand, gehe ich davon aus, dass es nur Silvesterknaller waren. Hoffe ich... 

Heute war eine Fahrt nach Alex rein geplant, mal sehen ob und wann die stattfindet. Ansonsten verbringe ich meine Zeit weiter mit Saubermachen (überall Staub, der Wahnsinn!) und Sachen ein-/aufräumen. Außerdem kommt heute eine Ortslehrkraft aus den Ferien zurück und morgen eine andere Kollegin aus Deutschland. Es füllt sich langsam und geht stetig auf die Schulzeit los.