Donnerstag, 27. Februar 2014

Kairo extrem

Nun komme ich gerade aus Kairo zurück. Das fünfte Mal im Februar. Und so sehr ich diese Stadt mittlerweile mag, kann ich sie jetzt erstmal nicht mehr sehen. Wobei nicht die Stadt zu nerven beginnt, sondern der Weg dorthin. Desertroad rauf und runter. Der Weg vom Alexandria Stadttor in die Stadt ist das Schlimmste. Gefühlte drei Stunden sieht man die Skyline und kommt ihr einfach nicht näher. Nervenaufreibend. Leider haben wir für heute aber auch versäumt, dass Zugfahren viel angenehmer ist. Da hat man nur die Strecke vom bzw. zum Bahnhof, die Fahrt an sich ist super entspannt. Erste Klasse, d.h. große Sitze, viel Beinfreiheit und geraucht werden darf auch. Nun ja, vielleicht nicht ganz offiziell, tut aber trotzdem jeder. In zwei bis drei Stunden kommt man völlig entspannt an und wenn man nicht ausgerechnet ins Randgebiet muss, ist die Taxifahrt zum Zielort auch entspannt. Beim nächsten Mal dann... Wobei das nächste Mal in zwei Wochen sein wird, im Schlepptau zwei Kinder, auf dem Weg zum Vorlesewettbewerb. Ist vielleicht auch keine allzu gute Idee...

Letzte Woche habe ich dann endlich zum ersten Mal die Pyramiden gesehen. Vom Nahen, aus der Sicht eines Kamels. Naja, auf der Sichthöhe eines Kamels, besser gesagt. Eigentlich bin ich kein großer Freund von dieser Touriattraktion, aber irgendwie gehört's dann auch dazu. Und weil wir ja Einheimische sind, mussten wir keine 50 Euro zahlen, sondern nur 12. Auch wenn der Kamelführer mich ein wenig irritiert anschaute, als meine Freundin meinte, wir leben beide in Ägypten. Sehe ich etwa immernoch nicht so aus?! Muss vielleicht doch ein Kopftuch her :-)

Eine lustige Geschichte, bevor ich für heute schon wieder aufhören muss: In meiner siebten Klasse kamen die Schüler gestern auf schreiende Lehrer. Irgendjemand erwähnte mit fragender Stimme meinen Namen, sagen die Mädels direkt, nein, nicht Frau W., die ist lieb. Zwei Stunden später hatte ich in meiner sechsten Klasse Unterricht. Erst eine Arbeit, dann die Organisation des Faschingsfrühstücks, die Kinder waren wie ein Haufen Flöhe. Musste ich doch mal schreien. Auch wenn das vielleicht schwer vorstellbar ist, aber es war ein freundliches Schreien ;-) Jedenfalls hatte ich nicht mitbekommen, dass unser Fenster zum Flur offen stand. Die Folge? Nach der Stunde stand die Hälfte meiner 7. Klasse vor der Tür, kam rein, umarmte mich, mit den Worten "Oh, arme Frau W., wie haben sie bis zu uns gehört!" Und schmissen sich fast weg vor Lachen. Man soll's halt nicht beschreien :-)

Egal! Ist grad alles ein bisschen anstrengend. Gestern saß ich zwei Stunden mit dem Schulleiter zusammen, um die Schulbuchliste für nächstes Jahr durchzugehen. Als nächstes müssen die Bücher gezählt werden, die wir noch irgendwo rumliegen haben. Und Lektüre für Deutsch in der Mittelstufe ausgesucht werden. Und Vergleichsarbeiten in der 6. Klasse stehen an, genauso wie der Vorlesewettbewerb. Ums Visa für Osterreich sollte ich mich vielleicht auch langsam mal kümmern Die Veranstaltung heute diente der Vorbereitung für die mündliche DSD I-Prüfung (Deutsches Sprachdiplom), die Ende März ansteht und bei der ich den Vorsitz habe. Ich, als Nicht-Deutschlehrerin! Haben uns ein Video angeschaut und danach kamen so Fragen, wie, hat die Schülerin reflexive Verben, Infinitiv, Aktik/Passiv, blablabla benutzt? Weiß ich doch nicht! Naja, ein paar Sachen kenne ich mittlerweile, aber ich muss mich da definitiv vorher noch mal mit auseinandersetzen. Vor allem, weil ich heute erfahren habe, dass ich eventuell, vielleicht für einen Tag an eine andere Schule muss, um dort auch den Prüfungsvorsitz zu übernehmen, weil die eigentliche Vorsitzende einen wichtigen Termin mit meinem Schulleiter hat. Mish mushkilla, alles kein Problem...

Aber jetzt ist erstmal Wochenende! Und vielleicht läuten wir die Badesaison ein :-)

Montag, 17. Februar 2014

Fortsetzung von gestern


Das Meer kündigt den Frühling an. Oder ist es schon der Sommer? Jedenfalls hat es seit einer Woche eine andere Farbe. Von einem Dunkelblau ist es zu Türkis geworden. Richtig toll! Da fällt einem auch wieder auf, wie schön es ist, jeden Tag am Meer entlangzufahren. Meine Freundin meinte heute, es hätte eine "Schwimmfarbe". Und vielleicht schaffen wir's ja am Wochenende sogar zum Schwimmen. Denn auch wenn es morgens noch neblig und nieslig ist, ist es Mittags bereits so warm, dass wir ohne Jacken auf dem Dach sitzen und uns sonnen können. Wenn das geht, geht Schwimmen vielleicht auch. Und als wir heute von der Schule an diesem wunderschönen Meer gefahren sind, lief das obige Lied im Radio und die Sommerstimmung war perfekt.

Jetzt sitze ich aber leider erstmal wieder am Schreibtisch und musste die Sommerstimmung wegschieben. Habe ich bereits erzählt, dass von meinen 7. Klässlern der erste von der Schule abgemeldet wurde? Völlig überraschend für mich, auch wenn nicht grundlos. Wenn man aber bedenkt, dass sich die Eltern bisher so gar nicht gekümmert haben, finde ich diesen Schritt dann doch zu schnell. Nicht, dass ich offiziell von der Abmeldung wüsste. Bin ja nur die Klassenlehrerin. Der Direktor rief mich eines Tages an und fragte, was los wäre, da wäre gerade eine vollverschleierte Frau da gewesen und hätte gezetert. Am nächsten Tag fragte ich ihn, ob die Abmeldung offiziell wäre. Weiß er nicht, denn die Mutter hat auch nicht mit ihm geredet. Im Sekretariat hat man ebenfalls davon gehört, aber die Akte wäre noch da und damit ist er offiziell noch angemeldet. Die Schüler erzählten mir aber heute, dass er sich offiziell von ihnen verabschiedet hätte und auch bereits eine andere Schule besuchen würde. Sitten sind das!

Letzte Woche hatte ich ein Elterngespräch mit der Mutter einer Siebtklässlerin, die ebenfalls stark versetzungsgefährdet ist. Kann sie nichts machen. Sie kann kein Deutsch, einen Nachhilfelehrer findet man nicht und das Mädchen erzählt immer, es hätte keine Hausaufgaben auf und alles wäre schick. Wäre aber jedes Jahr dasselbe. Auf meine Frage, ob es denn aber so sinnvoll wäre, dass das Mädchen einige Schultage verpasst, weil Sportturniere oder Hochzeiten wichtiger sind, dann die langsame Annäherung, sie dürfte dann eben erstmal nicht mehr zum Sport. Wer's glaubt. Wenn ich die Mutter sehe und mir das Mädel vorstelle, weiß ich, wer zuhause die Hosen anhat. Fazit des Gespräches: Wenn das Mädchen sitzenbleibt, wird auch sie von der Schule abgemeldet. 

Heißt für nächstes Jahr: von sieben Schülern, sind's dann noch drei. Der Wahnsinn. 

Da aber in meiner 6. Klasse nur ein Mädchen geht und alle anderen bleiben, fühle ich mich nicht verantwortlich. 

Ach Mist, ich denke so oft, dass ich bestimmte Sachen hier schreiben will und wenn ich dann vorm PC sitze ist mein Kopf leer :-(

Sonntag, 16. Februar 2014

viel unterwegs, eine lange to-do-Liste, aber immernoch Spaß


Wir hatten heute eine Fortbildung mit dem aufregenden Titel "Interkulturelle Kompetenzen". Als Einstieg gab's das Video. Und auch wenn man den Text nicht versteht und den Untertitel nicht lesen kann, haben die Bilder doch etwas mit dem Text zu tun - man kann sich also eine Menge zusammen reimen. Im Grunde geht's wohl darum, dass sich die Ägypter als eine Art Salat sehen - bunt. 

Und am Ende gab's eine Übersicht, in der man sich dann wiederfinden konnte. Gibt man seine eigene kulturelle Identität auf oder hängt man an ihr? Sucht man Kontakte und Bezugspunkte in der ägyptischen Identität oder meidet man sie? Ich muss sagen, auch wenn ich zwischendurch mal von einigen angegangen wurde, nur weil ich der Meinung bin, dass ich auch in Ägypten eine gewisse Pünktlichkeit erwarte, ist bei mir doch "Integration" herausgekommen. Ja, ich hänge an gewissen Teilen meiner kulturellen Identität. Aber, ich lasse mich auch auf die neue Kultur ein. Nur weil ich im Land bin, brauche ich ja nicht alles übernehmen. Das wäre dann Assimilation und das hat für mich einen eher negativen Beigeschmack.

So, jetzt wollte ich heute eigentlich mal wieder mehr schreiben, aber gerade klingelte es, meine Nachbarin ist wieder zuhause und wir trinken noch ein Schlummergetränk. Aber die Tage hole ich das bestimmt nach. Nur...ich muss ja weiter die kulturellen Verbindungen und Beziehungen pflegen ;-)