Sonntag, 1. Dezember 2013

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Nachdem ich meinen Vorsatz, wieder öfter zu schreiben, ja großartig in die Tat umgesetzt habe, gibt's heute mal wieder einen konkreten Anlass: meine Theater-AG!

Schlimm, schlimm, schlimm!

Habe ich sonst wirklich viel Spaß und noch liebere Kinder, sind diese zwei Stunden mein persönlicher Alptraum. Ich weiß nicht, ob es an den Kindern oder an mir liegt - es wird wohl eine Kombination aus beidem sein... Jedenfalls graut mir bereits Mittwoch Abend vor den letzten zwei Stunden vor dem Wochenende - denn dann haben alle Schüler von der 2. bis zur 5. Klasse AG. 

Ich wüsste gar nicht, wie ich beschreiben soll, warum es so furchtbar ist. Die Kinder hören nicht, sind laut, machen was sie wollen, können sich untereinander nicht leiden, haben soziale Störungen (ernsthaft! zwei davon werden von der Schulpsychologin betreut) und wollen alles, bloß kein Theater spielen. Und so gibt's in diesen zwei Stunden seit ca. 6 Wochen immer wieder Theater. Nur nicht solches, wie ich mir das vorstelle. Und seit ebenso langer Zeit erzähle ich immer wieder meinem Direktor, wie furchtbar das ist. Nun habe ich mit der Mittelstufenkoordination eine Funktionsstelle an der Schule übernommen und bekomme dadurch - theoretisch - Stundenentlastung. Theoretisch deshalb, weil es die Stelle offiziell erst ab dem zweiten Halbjahr gibt und weil wir es uns aufgrund des Lehrermangels nicht leisten können. Praktisch erzähle ich meinem Direktor seit Wochen, dass ich auf alle Entlastungsstunden verzichte, wenn ich bloß diese AG nicht weiter machen muss. 

Letzte Woche dann mein persönlicher Höhepunkt, der damit endete, dass ich nach der AG nach Hause kam und mich erstmal ne halbe Stunde ins Bett gelegt und geheult habe. Aus Frust, Verzweiflung und auch Hilflosigkeit. Super Start ins Wochenende, das nur damit aufgebessert werden konnte, dass wir zweimal shoppen waren. Immerhin.

Heute hatte ich dann wegen etwas anderen einen Termin bei meinem Direktor und nachdem er mir mein imaginäres Lobkärtchen für die fleißige Arbeit gegeben hat, habe ich ihm erneut von meinem AG-Problem erzählt. Lange Rede, kurzer Sinn: ab nächste Woche übernimmt er die AG und ich darf dafür Förderunterricht in Deutsch der 4. Klasse übernehmen. Heißt, die Klasse wird zweigeteilt und von zwei Lehrern unterrichtet, in der Hoffnung, dass bei weniger Schülern mehr hängen bleibt. Ein Grund zu Feiern, ich sag's euch! Nie hätte ich das gedacht, aber lieber zwei Stunden Grammatik, als zwei Stunden Theater mit einer AG.

Lustigerweise kam der Direktor nach unserem Gespräch noch mal ins Lehrerzimmer, schaute mich an und meinte: "Hm...Theater-AG...das ist aber ganz schön viel Arbeit, oder?" "Ja, sag ich doch die ganze Zeit!" "Darf ich das Angebot zurücknehmen?! Nein... ich seh schon, darauf lassen Sie sich jetzt nicht mehr ein..." "Auf gar keinen Fall! Versprochen ist versprochen!" Ich bin mal gespannt, ob er aus diesem Sauhaufen noch was machen kann. Ich gebe es jedenfalls offiziell auf! Für die letzte AG-Stunde suche ich mir ein paar Spiele und dann können mich die lieben Kleinen mal gerne haben!

Ach, und noch etwas sehr Positives: ab nächstem Schuljahr soll es tatsächlich Ethik geben! Zwar erst ab der 9. Klasse, aber man nimmt ja, was man bekommen kann. Ich befürchte zwar noch, dass der Klassenlehrer das auch gerne machen würde, aber da kämpfe ich drum. Das wäre sooo toll!

Donnerstag, 7. November 2013

Sind wir hier in Deutsch, oder was?

Meine lieben Kleinen haben ja nun logischerweise so manches Problem mit der deutschen Sprache. Und da heißt es nun mal üben, üben, üben. Also müssen sie in Mathe Antwortsätze, Merksätze und auch Begründungen schreiben. Das ruft regelmäßig Empörung hervor. Wir sind doch in Mathe, warum sollen wir dann jetzt auch noch hier richtig schreiben?! Dasselbe Spiel übrigens auch in Geschichte und Erdkunde... Hilft nix, da müssen sie durch.

In der ersten Mathearbeit mussten sie auch Sätze schreiben. Wobei es mir hier nicht um Rechtschreibung und Grammatik ging, sondern darum, dass sie das Problem erkannt haben.

Zusatzaufgabe war "Begründe ob es sinnvoll ist, den folgenden Betrag zu kürzen."

Einer der vorgegebenen Aussagen war: "Mahmoud bekommt von seinen Eltern 50,9342 L.E. Taschengeld." Erwartet habe ich eine Aussage, die ungefähr dieser entspricht: "Es ist sinnvoll hier zu kürzen, da Geldbeträge immer 2 Stellen nach dem Komma haben." (einfach) oder "Es ist sinnvoll hier zu kürzen, da es keine dreistelligen Piasterbeträge nach dem Komma gibt." L.E. (ägyptische Pfund) statt Euro wegen Lebensweltbezug und so...

Hier eine kleine Auswahl an Antworten:

- Es ist nicht sinnvoll, weil man muss wissen wie viel hat von seine Geld genommen. (ist ja irgendwie noch logisch, aber trotzdem falsch)

- Diese Aussage ist nicht sinnvoll, weil es viel Geld ist und es ist sinnvoll, wenn er z.B. 20 L.E. bekommt.

- Es ist sinnvoll, weil er kann weniger als 50,9342 weil er schlecht in der Schule. (der Schüler hat übrigens eine 4 geschrieben. Vielleicht spricht er aus eigenen Erfahrungen?!)

- Es ist sinvoll hier zu kurzen, weil mann etwas richtiges macht. (???)

- Nicht sinnvoll, weil Geld Euro sind nicht L.E. (meine persönliche Lieblingsantwort - so geprägt sind sie schon, dass sie wissen, dass ägyptische Pfund nix taugen :-))

Andere vorgegebene Aussage war: "Das neugeborene Katzenbaby wiegt 135 g." Erwartet war "Es ist nicht sinnvoll zu kürzen, da man bei Medikamenten oder Nahrung das genaue Gewicht wissen muss."

- Nicht sinnvoll, weil Katzen so klein sind, wenn sie geboren sind. (ganz pragmatisch der Gute)

- Es ist sinvoll hier zu kurzen, weil es kann mann eine Babykatze wiegen." (äh...ja, genau)

- Diese Aussage ist sinnvol, weil es kann g sein und es ist klar, dass die Katzenbaby wiegt 135 und das Baby wiegt 1 kg. (versteh ich nicht...)

- Diese Aussage ist sinnvoll, weil die Katzen sehr weich, wenn sie geboren wurden." (natürlich!)

Ich freue mich schon auf die nächste Arbeit. Wenigstens habe ich dann beim Lesen was zu lachen. Aber um die Ehre der Schüler zu retten. Die Arbeit ist im Durchschnitt sehr gut ausgefallen.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Diktate, Tränen und ägyptische Mütter

So, bevor ich mich an die Arbeit mache, muss ich doch kurz was zum heutigen Tag erzählen. Und zwar haben wir letzte Woche einen Kurztest in Geschichte geschrieben und am Sonntag ein Diktat. Heute wollte ich beides zurückgeben, aber ein Schüler hat heute Geburtstag und sich gewünscht, dass sie nicht beides gleichzeitig an einem Tag zurück bekommen. Na gu, bin ja nett manchmal...

Also gab's nur den Geschichtstest zurück. Und der fiel mit einem Durchschnitt von 2,8 auch viel besser als das Diktat aus. War aber auch viel leichter. Egal. Zwei Vieren waren trotzdem dabei. Nun muss man wissen, dass ägyptische Kinder sehr motiviert und wirklich sehr auf Einser aus sind. Das liegt vielleicht auch an den strengen Eltern, die ihre Kinder sehr darauf triezen die Besten zu sein. Ein bisschen anstrengend, wenn man mich fragt. Und egal wie fleißig Kinder sind, es wird immer welche geben, die besser und die schlechter sind. Wenn ich eine Arbeit schreibe, bei der jeder eine 1 schreibt, habe ich genauso was falsch gemacht, wie wenn alle eine 5 oder 6 haben. Aber erkläre das mal ägyptischen Eltern. Zwei Jungen kamen letzte Woche schon zu mir und erzählten mir, dass ihre Mütter gesagt hätten, wenn sie eine 3 schreiben, dann wäre das wie eine 6. Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen ihren Müttern sagen, dass sie zum Elternsprechtag kommen, dann erkläre ich ihnen gerne das Notensystem und den Zweck dahinter. 

Jedenfalls hat ein Mädchen eine 4- geschrieben und war völlig aufgelöst. Sie hat zwar versucht es sich nicht anmerken zu lassen, aber wenn jemand in seiner Tasche kramt und dabei mit den Schultern zuckt, kann ich mir meinen Teil denken. Und wenn sie dann wieder nach oben schaut und die Augen voller Wasser stehen, weiß ich endgültig Bescheid. Meine Worte, dass der Kurztest nicht so viel von der Endnote ausmacht, hat sie da schon gar nicht mehr mitbekommen. Also habe ich sie nach der Stunde bleiben lassen und ihr erklärt, dass sie eine fleißige Schülerin ist, die immer mitmacht und sich meldet und deswegen bestimmt keine schlechte Note von mir bekommt. Da fing sie wieder an zu weinen! Dabei war ich doch ganz mitfühlend und nett! 

Ein anderer Junge, der auch bleiben sollte, weil er in der Stunde Unsinn gemacht hat, weinte ebenfalls. Und ich kann das doch nicht sehen! So große braune Kulleraugen, die mit Wasser gefüllt sind, lassen mich ja nun wirklich nicht kalt. Vor allem, weil beide sonst diejenigen sind, die am meisten lachen und grinsen. Herzschmerz!

Derselbe Junge bat mich übrigens letzten Mittwoch, den Test nicht am Donnerstag zurückzugeben, weil das eine schlechte Kombination sei: zurückgegebener Test (der vielleicht nur ne 3 wurde) und das Wochenende, das bevor steht. O-Ton: "Das ist dann ein Wochenende mit viel Geschrei von meiner Mutter und Schlägen!" Ich ganz geschockt nachgefragt, ob ich das richtig verstanden habe. "Frau W., Sie wissen nicht, wie ägyptische Mütter sind!" Eieiei...

Sonntag, 27. Oktober 2013

Mit Musik Deutsch lernen

Bevor ich mich an die Diktate mache, noch kurz die Erzählung, dass ich beschlossen habe, den Deutschunterricht meiner 7. Klasse durch Musik aufzupeppen und deren Sprache damit zu verbessern. Nachdem ich nämlich ein Lied im Geschichtsunterricht mit ihnen gehört habe und sie dabei wirklich gut mitgemacht haben, dachte ich, es ließe sich vielleicht als Ritual im Deutschunterricht einbinden. Pro Woche ein Lied - darüber wird gesprochen und danach müssen die Schüler einen kurzen Aufsatz dazu schreiben. Worum geht's? Und je nach Lied eine passende Frage aus ihrer Lebenswelt beantworten.

Gestartet habe ich das ganze letzte Woche mit Christina Stürmer:


und der Frage, was sie im Leben erreichen möchten.

Diese Woche geht es dann mit Sido weiter:


und der passenden Frage, wie ich finde, welche Bilder sie aufbewahren möchten.

Schau me mal, ob der Plan über die Musik die Sprache zu verbessern aufgeht. Schlechter können sie jedenfalls dadurch nicht werden...

Die lieben Kollegen

Nun hatte ich ja gestern eigentlich angekündet, mehr über meine Schüler zu schreiben, jetzt hat sich aber heute wieder ein Kollege so putzig geäußert, dass ich das auch loswerden möchte.

Dieser Kollege ist schon was älter (Anfang 60) und war vor seiner Tätigkeit an unserer Schule Klimaanlagenverkäufer in Dubai oder Saudi-Arabien oder...irgendwo dort in der Nähe halt. Weil er eine ägyptische Frau geehelicht hat, lebt er aber seit zwei Jahren in Alexandria und unterrichtet bei uns die älteste Klasse (8.-9.). Vorneweg: der Mann hat ein unglaubliches Allgemeinwissen und ist wirklich lieb. Aber manchmal macht sich das Alter halt doch bemerkbar.

Zum Beispiel habe ich ihm eine CD-Rom gegeben, auf der ein Geschichtslehrbuch, das Lehrerhandbuch und weitere Materialen sind. Weil mir unser aktuelles Geschichtsbuch überhaupt nicht gefällt und die Kinder die Texte nicht verstehen, suchen wir gerade ein neues für das nächste Jahr und von dem auf der CD-Rom bin ich halt so begeistert. Also habe ich ihm die CD-Rom gegeben, damit er sich das Buch mal anschaut. Es gefällt ihm nicht. Er kommt mit dem was wir haben zurecht. Ob seine Schüler die Texte in dem Buch denn verstehen würden. Naja, ging so. Aber er macht das ganz einfach so, dass er die Texte umschreibt und zusammenfasst und den Schülern das dann gibt. Ich habe ihm mittlerweile des öfteren versucht zu überzeugen, dass das dann aber kein gutes Zeichen für das Schulbuch ist, wenn der Lehrer die Texte umschreibt und es doch viel besser wäre, wenn wir ein Buch hätten, was die Kinder auch verstünden. Nun ja, wir sind auf dem Weg. Letzte Woche bat er mich noch mal zu einem Gespräch und äußerte sich nicht mehr allzu kritisch über das von mir vorgeschlagene Buch. Wohlgemerkt: ich bestehe nicht auf diesem einen Buch. Wir bestellen jetzt drei, vier verschiedene Probeausgaben und schauen dann mal, ob wir uns irgendwie einigen können. Er kann oder will das aber nicht verstehen. "Ach, das ist ja schade, das wir hier nicht einer Meinung sind!" "Es ist doch nicht schlimm, wenn wir nicht einer Meinung sind, wir können doch einen Kompromiss finden!" Hin her und hin her. Aber es wäre doch doof, wenn die Schüler kein Buch, sondern eine CD-Rom haben. Wie wir dann im Unterricht damit arbeiten wollen... Ich dachte, ich fall vom Stuhl! Lieber Kollege, das Buch ist zwar auf dieser CD-Rom, aber das gibt's schon auch in Papierform. Ich habe nur die CD-Rom, weil ich nicht zig Bücher aus Deutschland mitbringen wollte und auf der CD alles drauf ist, was ich zum zuhause arbeiten brauche. Achso, da gibt's auch ein normales Schulbuch?! Jaaaa! Ok, dann fände ich das auch nicht schlecht! al-hamduliläh!

Heute hatten wir dann eine Besprechung mit einer Frau, die für die deutschen Schulen in Ägpyten zuständig ist. Also eine deutsche Beamtin, die in Kairo lebt, aber eigentlich im Sächsischen Kultusministerium arbeitet. Die sollte uns etwas über das Deutsche Sprachdiplom erzählen, welches unsere Schüler in den nächsten Jahren machen sollen. Also, worum es dabei geht, wie die Prüfung aufgebaut ist, wer die durchführt etc. Es gibt wohl im Internet diverses offizielles Material, mit dem wir mit den Schülern üben können. Unter anderem Dialoge für den Prüfungsteil "Hörenverstehen". Die Dialoge gibt's natürlich für die Lehrer auch in Papierform ausformuliert. Wie er das denn mit der Klasse machen soll? Stelle ich mich dann hin und lese den Dialog vor? Ja genau, so müssen wir das machen - aber bitte mit verstellten Stimmen :-) Jetzt weiß er aber auch, dass es die Dialoge in Dateiform gibt und wir die mit unseren CD-/mp3-Playern abspielen können. Ich wäre ja zu gerne dabei gewesen, wenn er die Dialoge so vorgelesen hätte...

Aber nochmal: der Kollege ist sonst wirklich sehr nett und intelligent. Nur mit der modernen Technik hat er's halt nicht so.

So, und jetzt korrigiere ich weiter das erste Diktat des Jahres. Eigentlich gibt's ab 19 Fehlern eine 6, bisher hat die Klassenbeste 8 Fehler, die schlechteste Schülerin ganze 50. Ich glaube, da muss ich noch mal über den Notenschlüssel nachdenken...

Samstag, 26. Oktober 2013

Ich lebe noch :-)


Jetzt fällt mir erstmal auf, dass es wirklich schon ganz lange her ist, dass ich hier geschrieben habe. Ich würde ja behaupten, dass der Stress mich davon abgehalten hat - aber so richtig stressig empfinde ich mein Leben gar nicht. Klar, es ist viel zu tun. Unterrichtsvorbereitung, die ersten Klassenarbeiten stehen an und außerunterrichtlich ist auch ne Menge zu tun. Aber Stress ist so negativ behaftet und das könnte ich wirklich nicht sagen.

Ich kann aber mittlerweile behaupten, dass ich angekommen bin. Ich fühle mich nicht mehr so fremd, habe eine gewisse Routine bekommen (zu der Blogschreiben leider nicht unbedingt zählt) und fühle mich sehr wohl. Schlechte Momente hat ja jeder mal, aber solange die schönen Momente überwiegen, ist alles schick. Und das tun sie definitiv!

Ich war ja in den Ferien eine Woche lang untergetaucht - im wahrsten Sinne - und freue mich schon sehr auf das nächste Mal. Einfach toll! Auch wenn ich alleine unterwegs war und ich mir nicht sicher war, ob das wirklich schön ist, haben sich meine Befürchtungen nicht bewahrheitet. Die Ägypter sind alle so hilfsbereit, dass ich selbst die langen Busfahrten gut überstanden habe und vor Ort ist man durch die Tauchbasis immer unter Menschen und sozial gut aufgehoben. 

Und trotz, dass ich natürlich gerne viel länger geblieben wäre (mein Konto ist mir allerdings dankbar, dass ich wieder zurück musste), fährt man am ersten Schultag nicht ungerne in die Schule. Im Gegenteil, ich habe mich auf meine Schüler sehr gefreut. Die sind so süß! Ich muss hier trotzdem regelmäßig einige Zitate aufschreiben, damit ich das nicht alles vergesse. Manchmal hauen die Sachen raus...

Letzte Woche zum Beispiel kam ein Schüler beim Fahnengruß zu mir:

Schüler: Warum heißt es "Wie heißt du?" und nicht "Was heißt du?"
ich: Also zunächst einmal heißt es, wenn du mich fragst "Wie heißen Sie?"...
Schüler: Ja, aber wenn man fragt, wie etwas gemacht wird, dann heißt es auch "Wie machst du das?" Warum benutzt man bei beiden dasselbe Fragewort, obwohl es doch um zwei völlig verschiedene Sachen geht?! Ich versteh das nicht!

Zugegeben, er hat es nicht wortwörtlich so gesagt, so dass ich einige Mühe hatte, ihn zu verstehen (bzw. seine eigentliche Frage) und so haben wir das Problem auf die Stunde nach dem Fahnengruß verschoben.

Im Klassenzimmer wurde mir dann langsam, unter Mithilfe seiner Mitschüler, klar, was er eigentlich meint. Zusätzlich erklärte er mir, dass das im Arabischen viel leichter wäre, da hieße es doch auch "Was heißt du?". 

"Frau W., die Deutschen machen das ganz falsch!"

Nun kann ich nicht sagen, dass wir das falsch machen, aber so ganz unrecht hat er nicht. Deutsch ist schon nicht so einfach. Grammatikalisch ist Arabisch tatsächlich viel einfacher aufgebaut. Aber das kann ich leider auch nicht ändern. Der Schüler war dabei aber so süß empört, dass ich die ganze Zeit nur grinsen musste. 

Überhaupt grinse ich viel im Unterricht, weil die Schüler - auch wenn sie typisch ägyptisch sehr sehr lebhaft sind - sehr fleißig sind und sich über kaum etwas beschweren. 

Wir haben ein Probediktat geschrieben, weil morgen das richtige Diktat ansteht. Das fiel nun gar nicht gut aus, obwohl ich in meinem Leben noch nie so deutlich gesprochen habe. Und weil ich noch was für die andere Klasse vorbereiten musste und dafür Zeit gebraucht habe, haben die Schüler die Aufgabe bekommen, das Diktat noch mal richtig abzuschreiben. Ich entschuldigte mich gleichzeitig, dass ich wüsste, dass die Aufgabe nicht sehr spannend wäre, aber man auch beim Abschreiben lernen kann. Da guckt mich ein Schüler freudestrahlend an und sagt "Nein, das ist doch ne tolle Aufgabe!" Nun ja... Geschmäcker sind verschieden :-)

Im nachfolgenden Geschichtsunterricht habe ich der 7. Klasse versucht zu erklären, was es mit der Redewendungen "Er bricht mit Traditionen" auf sich hat.

Also liebe Kinder, Traditionen sind Dinge, die man immer wieder auf eine bestimmte Art macht, ohne dass das irgendwie festgeschrieben sein muss. Dass es Weihnachten ganz oft Ente zu Essen gibt, ist so eine Tradition zum Beispiel. - Fragezeichen in den Augen - Okay, ich versuche es euch anders zu erklären. Wenn Frau H. und ich nach Hause kommen, läuft das jeden Tag gleich ab. Sie gibt dem Kater Futter, während ich Kaffee koche. Das machen wir jeden Tag, ohne Ausnahme. Das ist unsere Tradition. Wenn jetzt Frau H. heute duschen geht, statt den Kater zu füttern, dann bricht sie mit der Tradition. - Achsoooo! Ich freue mich schon auf den Geschichtstest, wenn ich da nachlesen kann, dass Frau H. mit der Tradition bricht, weil sie duschen geht...

Ja, und so kann man vielleicht nachvollziehen, warum ich nicht ungerne zur Schule gehe. 

Für heute habe ich aber auch wieder genug gearbeitet und da freue ich mich doch sehr auf den Wein, den es gleich bei Frau H. gibt :-)

Montag, 30. September 2013

Ausflug nach Rashid/Rosetta

Garten der Mühle Abu Schahin

Inneres der Mühle Abu Schahin

Mühle Abu Schahin - fehlt nur noch das Pferd

von Hand gefertigte Obst- und Gemüsekisten, die nach der Warenauslieferung direkt wieder weggeschmissen werden

Amasyali House (19. Jahrhundert) - dient heute als Museum

Rashid liegt direkt am Nil

Chef guck in die Luft...

nochmal der Nil

sehr leckeres Essen, dass Chef bezahlt hat - auch wenn man uns völlig übern Tisch gezogen hat

Rashid ist vor allem berühmt wegen dieses Steines - der Rosetta-Stein (mit dessen Hilfe die Entschlüsselung der Hieroglyphen gelang)

Fischfang auf dem Nil

eine Werft nach der anderen

Freitag, 27. September 2013

Endlich wieder Internet!

Endlich, geht's wieder - das Internet! Man merkt halt erst, wenn einem was fehlt, wenn es nicht mehr da ist. Oder zumindest nicht mehr so, wie man das als "normal" empfindet. Heißt guter Empfang, ständig erreichbar. Seit meinem letzten Eintrag lief das nämlich alles andere als normal. Wir dachten erst, dass meine Nachbarin/Vermieter/Kollegin/Freundin/Fahrerin vergessen hat, die Rechnung zu bezahlen. Nachdem das nachgeholt wurde (was schon ca. 3 Tage in Anspruch nahm, weil man das nicht einfach überweisen konnte, sondern mit irgendwem telefonieren musste und am Ende zu einem Laden fahren, wo man das Bar bezahlt), ging's aber immer noch nicht. Nun hatte ich ja nen Internetstick aus den Agami-Zeiten, der aber auch nicht wirklich funktioniert hat. Warum? Man weiß es nicht. Nachdem meine N/V/K/F/F dann erneut bei ihrem Telefon- und Internetanbieter telefoniert hat, kam man nach zwei Tagen zu dem Schluss, dass es an ihnen nicht läge. Also musste das Äquivalent zur Telekom benachrichtigt werden. Da kam auch irgendwann ein netter älterer Herr, der feststellte, dass das Kabel, welches uns mit der Außenwelt verbindet, wahrscheinlich vom Wind aus dem Telefonkasten gerissen wurde. Er könne aber nichts machen, weil die Nachbarn nicht da sind, auf deren Balkon er müsste, um das wieder in Ordnung zu bringen. Und was haben jetzt die Nachbarn damit zu tun? Und wie kann ein Kabel vom Wind herausgerissen werden? Weil unser Kabel über den Balkon der Nachbarn führt und dann irgendwie über irgendwelche Ecken und Balkone zum Telefonkasten führt, der 100 Meter weiter auf dem Bürgersteig steht. Er wollte am nächsten Tag wiederkommen, mit einem neuen Kabel, dass nicht über den nachbarlichen Balkon führt, sondern direkt mit dem Telefonkasten auf der Straße verbunden wird. Am nächsten kam er aber nicht. Auf die telefonische Rückfrage hin, erfuhren wir, dass er kein Kabel gefunden hat und deswegen erst am nächsten Tag kommen kann. Der nächste Tag war dann gestern und nach einer halben Stunde Arbeit in der Wohnung, auf dem Balkon inkl. lautem Rufen zum Kollegen, der am Telefonkasten stand, dann das Ergebnis: das alte Kabel ist nass. Woher das Wasser kommt, weiß natürlich auch niemand, aber es wurde aus der Wand gezogen, ein neues - trockenes - durchgezogen und auf einmal ging wieder alles. Sehr schön! Heißt für mich, ich kann jetzt endlich wieder skypen oder auch arbeiten. Ein wunderbares Gefühl!

Und weil ich heute noch einiges vorhabe, gibt's jetzt erstmal nur noch Bilder. Zum Beispiel von meiner neuen Wohnung:

Essecke, die vorwiegend zum Lernen der arabischen Sprache gebraucht wird

mein neuer Arbeitsplatz, ohne Meeresblick, dafür jetzt endlich mit Drucker

Arbeits- oder Wohnzimmer, was momentan im Chaos versinkt - ich muss dringend meine Sachen aufräumen!

Gästezimmer neben dem Wohnzimmer, das dann bei einem Besuch durch einen Vorhang abgeteilt werden kann

Schlafzimmer, bei dem das Bett viel bequemer ist als es vielleicht aussieht

theoretisch kann ich hier meiner Kochwut freien Lauf lassen - hab bisher aber noch nicht alle Knöpfe zum Einschalten der Flammen gefunden

Ausblick von der Küche und dem Essbereich...

Küche, die mittlerweile eine nagelneue Waschmaschine und Kühlschrank beherbergt (hier noch nicht zu sehen)
Letztes Wochenende waren wir in Marina, einem Badeort an der Nordküste, ca. 100 km von Alexandria entfernt. Wunderschön! Ruhig, idyllisch, herrliches Wasser:

Wasser da, Sonne da - mir geht's gut!

am Nachmittag doch noch einige andere Badegäste - hielt sich aber in Grenzen

so ruhiges und blaues Wasser - herrlich!

Schwager und Freund des Schwagers von meiner N/K/F/F/T/V ;-)

N/K/F/F/T/V - immer gut gelaunt
Morgen geht's nach Rosetta, irgendwas historisches ansehen und nächstes WE (da haben wir vier Tage am Stück frei) nach Marsa Matruh, einem Badeort ca. 300 km von hier entfernt. Es könnte mir schlimmer gehen ;-)

Montag, 16. September 2013

Endlich Schülerkontakt!



Puh…die ersten zwei (mit Elternsprechtag drei) Tage sind rum und ich weiß jetzt schon nicht wo mir der Kopf steht. Ich hoffe momentan sehr, dass es nur eine Frage der Gewohnheit und Routine ist und ich in ein paar Wochen meinen Rhythmus gefunden habe.

Momentan kann ich meiner Planungs- und Organisierungswut kaum gerecht werden. Zum Einen läuft’s in der Schule wirklich sehr chaotisch ab. Der neue Direktor entwickelt langsam Galgenhumor und ich versuche wenigstens die Stunden halbwegs zu planen. Es ist aber auch wirklich ungewohnt, mit was man sich als Klassenlehrer alles beschäftigen muss und erstaunlich, wie viel Zeit das in Anspruch nimmt. Da gibt man Schülern schon mal ne Stillarbeit, einfach weil man zehn Minuten braucht, um das Klassenbuch auszufüllen. Bisher habe ich weder das Geschichtsbuch von der einen noch von der anderen Klasse. Bei dem einen ist es nur ein organisatorischer Fehler der Verwaltung, dass ich keins bekommen habe, beim anderen warte ich noch auf die redigierte Vorlage, nach der ich dann die Bücher von meiner Klasse bearbeiten darf. Bilder ausschneiden, Texte schwärzen, ganze Seiten austrennen. Und warum? Weil in dem Buch ein Bild von Mohamed ist (was im Islam verboten ist) oder im Text steht, dass Mohamed sich von anderen Religionen hat beeindrucken lassen. Der Witz des ganzen ist, dass man das ganze schon letztes Jahr gemacht hat und keiner weiß, warum diese Bücher noch einmal bestellt wurden. Am Ende hat der Direktor beschlossen, dass das Thema überhaupt nicht behandelt wird, was aber an dem Schneiden, Kleben, Schwärzen des Buches nichts ändert. Es gab wohl einen Direktor in Kairo, der wegen so etwas Einreiseverbot und ein ewig langes Gerichtsverfahren hatte. Es gibt Dinge, die einem schwer fallen, zu begreifen…

Zum Anderen habe ich immer noch nicht alles so eingerichtet, wie ich das gerne hätte. Der Umzug an sich lief zum Glück super und seitdem ist eigentlich immer zu was anderes. Da glaubt man, heute Nachmittag schafft man ein paar Stunden was und dann kommt doch alles anders. Aber am Wochenende MUSS ich mit der Wohnung fertig werden und vor allem die Stunden für die kommende Woche planen. Unter der Woche gestaltet sich das sehr schwierig. Vor allem, weil am Mittwoch auch mein Arabischunterricht beginnt und die freie Zeit dann noch übersichtlicher wird. Aber ich möchte nach wie vor die Sprache lernen, tu’s ja quasi nebenbei schon (meine Nachbarin bringt mir jeden Tag ein Tier bei, z.B.), aber eben geordnet.

Letzten Freitag durfte ich dann auch erleben, wie es sich anfühlt, während einer Demonstration in der Stadt zu leben. Gesehen haben wir nichts, aber gehört ziemlich viel. War ein bisschen unheimlich. Erst ein Mann, der durch Lautsprecher zu irgendetwas aufgerufen hat und dann Menschenmassen die zurück geschrien haben. In unserer Seitenstraße (eine Querstraße von der Strandpromenade, wo der Demonstrationszug entlangzog) rannten plötzlich viele Männer, woraufhin mir meine Nachbarin erklärte, dass die zum Eingang der Seitenstraße rennen und diese sperren, damit der Demonstrationszug nicht rein kommt. Im Nachhinein habe ich gehört (und gelesen), dass auch das Militär da war und mit Tränengas geschossen hat. Laut Zeitungsbericht gab es einen Toten. Um mich muss man sich deswegen aber keine Sorgen machen. Solange die Gefahr solcher Aktionen besteht, bleiben wir Freitags in den Wohnungen. Gegen Anschläge ist man ja sowieso nicht geschützt, die können überall passieren, aber wenn die Muslimbrüder immer Freitag auf die Straße gehen, muss man ja nicht unbedingt an der Strandpromenade spazieren gehen…

Nichtsdestotrotz freue ich mich, dass die Schule endlich begonnen hat. Die Schüler sind auch sehr nett und wirklich diszipliniert. Ich hoffe, dass ich das nicht kaputt mache. Ein Beispiel: Es klingelt zur Pause – und typisch, Lehrer, es fällt mir noch etwas ein, was ich sagen möchte – und die Kinder setzen sich sofort wieder hin und sind ruhig! In meiner alten Schule hätte das niemanden mehr interessiert.

Na mal sehen, wie das alles weitergeht hier. Kurz und knapp: Mir geht’s super, bin dabei ein bisschen planlos, aber guter Dinge J

PS: Am WE gibt’s vielleicht Bilder von meiner neuen Wohnung.

Dienstag, 10. September 2013

Ägyptische Dramen

Vorneweg eine Frage: Seht ihr auch einen Schriftzug durchs obige Bild? Ich hab grad keinen Plan, wie ich das wegbekomme...

Der aktuelle Posttitel hätte vielleicht auch gut als Blog-Name gepasst. Wenn hier etwas passiert, ist das meist nicht nur strange, sondern nimmt auch immer sehr viel Zeit in Anspruch. Da wird stundenlang telefoniert (kein Wunder, so billig wie das hier ist) und jeder erzählt jedem was er/sie weiß. Das ist bei Kleinigkeiten so, aber auch bei größeren Geschichten.

Seit ca. 2,5 h beschäftigt mich demnach die neuste Geschichte: eine Kollegin wurde von einem Minibus angefahren und hat sich zwei Rippen gebrochen (oder angeknackst, so genau weiß ich das nach 2,5 h telefonieren auch nicht). Jetzt sitzt sie zu Hause, weint ohne Ende und will unbedingt das Land verlassen. Nun handelt es sich bei dieser Kollegin aber auch um eine spezielle Spezies. Und weil ich gar nicht wüsste, wo ich anfangen sollte, das zu erklären, beschränke ich mich auf die Tatsache, dass sie im Krankenhaus war und von dort versucht hat, alle anzurufen, von denen sie weiß, dass sie ägyptisch und deutsch sprechen. Und niemand ist ans Telefon gegangen... Ich glaube, das sagt schon einiges aus. Nun bin ich (leider) diejenige, die einen Zweitschlüssel für ihre Wohnung hat (den ich morgen abgeben wollte) und habe von der Chefin höchstpersönlich den Auftrag erhalten, morgen früh bei ihr nach dem Rechten zu sehen. Das Angebot, bei einer anderen Kollegin zu übernachten, schlägt sie aus, ebenso den Vorschlag einen deutschsprechenden Arzt vorbeizuschicken. Und warum verbringt man wegen so einer Geschichte so viel Zeit am Telefon? Weil eine der angerufenen Kolleginnen (meine zukünftige Nachbarin und Vermieterin) ein furchtbar schlechtes Gewissen hatte, weil sie nicht ans Telefon gegangen ist. Und weil man mit einer anderen Kollegin, die mich dann morgen mit dem Taxi von dort abholen soll, von Einem zum Anderen (Drama) kommt. 

Die hat nämlich gestern für mein persönliches Drama gesorgt, als sie auf dem kompletten Schulweg geweint hat. Weil sie so nen doofen Stundenplan hat, sie dann vor 17 Uhr nie zuhause ist und außerdem kein Geld hat, um das Taxi in Zukunft alleine zu bezahlen. Hatte ich das schon mal geschrieben? Ägypten verwirrt mich zunehmend... Das macht mir ja überhaupt kein schlechtes Gewissen *achtung ironie* Aber ich kann meine Wohnsituation ja nicht von anderen abhängig machen. Schlimm fand ich, ehrlich gesagt, dass das ganze Drama vor ihren Kindern ablief. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich als Kind mitbekommen hätte, wenn meine Eltern Probleme hatten. Gut, vielleicht hatten sie ja keine ;-) 

Naja, und jetzt verdrängt das eine Drama das andere Drama und das findet nicht jeder gut. 

Wie auch immer: ich habe hier sechs Koffer stehen (bei 3,5 Koffern bei der Anreise, ist mir ein Rätsel wo der Rest herkommt - nach heute genau 4 Wochen), muss morgen noch die Reste zusammenpacken, zum Bankautomaten gehen und um 7 Uhr bei der kranken Kollegin sein. Es verspricht - wieder einmal - ein aufregender Tag zu werden.

kulturelles Unverständnis

Ihr Lieben, jetzt stehe ich hier kurz vor meinem ersten Wutanfall aufgrund von kulturellen Differenzen - nett ausgedrückt. Aber irgendwie kam jetzt auch einiges zusammen.

In chronologischer Reihenfolge:

1. Gestern wurde über meinen Kopf hinweg entschieden, dass ich heute mit einer Kollegin zur Schule fahren sollte, weil die Kollegin, mit der ich mir eigentlich das Taxi teile, zum Passamt muss. Am Abend rief mich eine dritte Kollegin an, die mir nebenbei erzählte, dass sie heute auch mit der Kollegin fährt, der ich eben auch zugeteilt war. Auf meine Frage, ob denn dann im Auto überhaupt noch Platz für mich sei...Schweigen...nein. Weil dann der Kindersitz nicht mehr reinpassen würde. Und das Kind ja nicht auf den Schoß kann. Gut, die Kollegin wusste auch nicht, dass ich mitfahren sollte, trotzdem komisch. Nun ja. Hab ich meine ägyptische Chefin angerufen, ihr die Situation geschildert und ihr vorgeschlagen ich bleibe zuhause (dann hab ich wenigstens Zeit meine Sachen zu packen). Das geht ja natürlich überhaupt nicht und so habe ich ne Stunde mit Hinz und Kunz telefoniert, weil meiner Chefin immer mehr Möglichkeiten eingefallen sind, die am Ende alle nicht funktioniert haben. Erschwerend kommt hinzu, dass sich diese Frau keine Sachen merken kann und so verlief dann auch das Gespräch. 

Ein Auszug (stark gekürzt):

Chefin: ach, dann holt dich a. vom Passamt ab. Ich stelle euch dann eine Bescheingigung aus, dass ihr zu spät kommen dürft. (ohne diese Bescheinigung gibt's Lohnabzug für die Ortslehrkräfte)
ich: ok, ich ruf sie an und frage sie

ich rufe also a. an

ich: hey a., die Chefin meint, du sollst mich morgen vom Passamt abholen. Würdest du das tun?
a.: na klar hole ich dich ab. Aber ich nehme doch auch immer s1 und s2 mit.
ich: okay, das ist ein Problem. Ich rufe die Chefin noch mal an und frage sie, ob die beiden dann auch so eine Bescheinigugn bekommen.

Telefonat mit der Chefin:

ich: Hallo, wir haben ein Problem. a. nimmt doch morgens immer s1 und s2 mit.
Chefin: Aber das ist doch kein Problem, ihr passt doch alle ins Auto
ich: Ja, aber wir kommen doch dann alle zu spät.
Chefin: Ist doch nicht schlimm. Dann seid ihr halt statt um 9 um 9.30 da.
ich (zum x-ten Mal): Aber wir kommen dann nicht 9.30, sondern zwischen 11 und 11.30, weil ich erst um 10 Uhr beim Passamt bin...
Chefin: Achso...ok, dann bleiben Sie morgen zuhause und ich stelle ihnen eine Bescheinigung aus, dass sie fehlen durften.

Das mit der Zeit habe ich ihr in der ganzen Stunde, die das dauerte bestimmt 5x gesagt und sie verpeilte es jedes Mal aufs Neue. Weitere Vorschläge: Fahr doch mit C. - geht nicht, weil die auch mit der Kollegin fährt, die keinen Platz mehr hat; Was ist denn mit dem Taxifahrer von T.? - Das ist der, der die Kollegin zum Passamt fährt; Dann hole ich dich vom Passamt ab - okay, dann sei 10 Uhr da - ach um 10? Nein, um 10 Uhr muss ich in der Schule sein... Du meine Güte! 

Ganz ehrlich, wäre Unterricht und ich sinnvoll beschäftigt, hätte ich mir ein Taxi von der Straße genommen. Aber ich zahle ja keine 100 LE, nur damit ich 4 Stunden Kaffee trinken und quatschen kann. Und da verstehe ich auch ehrlich gesagt nicht die Aufregung...

2. Gestern war der Hauswart da, dem ich erzählt habe, dass ich ausziehe. Er freute sich, konnte sehr gut nachvollziehen, dass ich weiter in die Stadt möchte und meinte auf meine Frage, nach offenen Beträgen, dass ich nur noch die Nebenkosten zahlen müsste. Kam mir schon komisch vor. Heute morgen stand er wieder vor der Tür und erklärte mir, dass er gestern leider was getrunken (!!!) hatte und vergessen hatte, dass das doch ein Problem ist. Die Hauseigentümern hätte gerne die Saisonmiete...6000 LE, 4000 LE...was weiß ich. Geht nicht. Mach ich nicht. Mein Angebot, ihm den September noch die Miete von 2000 LE zu zahlen, steht ja nach wie vor, aber übertreiben werde ich's auch nicht. Zumal ich noch nicht mal nen Mietvertrag habe oder Kaution gezahlt habe. Jetzt telefoniert eine Kollegin mit der Vermieterin und klärt das - insha'allah!

3. Als ich die Kollegin anrief, um sie zu bitten, dass sie die Vermieterin anruft, kam sie gerade aus dem heutigen Meeting. Dort haben die Kolleginnen erfahren, dass wir am Donnerstag in die Schule sollen, weil die Bücher für die Schüler sortiert und ausgeteilt werden müssten. Die Bücher sind allerdings schon seit Tagen da. Warum man die nicht schon längst sortiert und ausgeteilt hat? Weil Schulbücher hier natürlich Chefsache sind und die Chefin leider keine Zeit hat. Seit drei Wochen sind wir in der Schule, es war von Anfang an klar, dass die Donnerstag frei sind, weil wir ja eh nix zu tun haben. Und jetzt soll der Donnerstag auf einmal nicht mehr frei sein, weil man hier nicht in der Lage ist, Schulbücher auf einem einfacheren Weg auszuteilen?! Davon abgesehen, dass wir ja auch am Samstag in die Schule müssen, um die Eltern zu begrüßen (deren Kinder ich noch nicht mal kenne), wollte ich am Donnerstag umziehen. Das stand fest!

Lange Rede, kurzer Sinn (ich muss langsam weiterpacken): ich ziehe jetzt morgen nach der Schule um. Heißt dann zwar 4 Stunden Taxifahrt an einem Tag, aber dann kann's mir egal sein, ob wir Donnerstag Bücher stapeln oder nicht. 

Bisher war ich ja sehr entspannt, was diese Mentalität angeht, aber grad eben regt's mich nur auf. Bei Gelegenheit muss ich hier mal schreiben, wie's um die Kommunikation an der Schule zwischen dem Schulleiter und der ägyptischen Chefin bestellt ist. Der Schulleiter machte diese Woche nämlich auch schon mal den Eindruck, als hätte er jetzt schon keine Lust mehr. Verübeln kann ich's ihm nicht. Da läuft einiges falsch. Als Lehrer hat man ja immerhin die Möglichkeit, einfach in der Klasse zu bleiben und alles andere zu umgehen. Das funktioniert bei ihm leider nicht. 

Naja, ab Sonntag sind dann die Schüler da, dann geht's aufwärts!

Sonntag, 8. September 2013

1. Umzug

Nachdem mein Tagesausflug nach Alex ja schon gewisse Tendenzen erkennnen ließ, habe ich mich heute - nach der Bekanntgabe der Stundenpläne - spontan dazu entschlossen, nach Alexandria zu ziehen. Ich weiß, ich werde den Strand vermissen - oder besser gesagt: die Möglichkeit, den Strand zu besuchen. Aber am Ende ist es doch besser für mich. Ich bin unabhängiger, lerne eher die ägyptische Sprache, die ägyptischen Einwohner und das ägyptische Großstadtleben kennen, als in einem Vorort, in dem zwar auch Ägypter leben, aber in dem es doch ganz anders zugeht, als in der Stadt. Ich weiß auch, dass ich wohnungstechnisch einen Schritt rückwärts gehe, gleichzeitig preislich aber nach oben (wobei es sich "nur" um 500 Pfund Mehr-Miete handelt) und in der Stadt eher Einschränkungen unterworfen bin, als hier, aber das nehme ich gerne in Kauf, wenn ich dann auch etwas vom ägyptischen Leben mitbekomme. Und weil hier das Leben manchmal viel spontaner ist, ziehe ich auch schon am Donnerstag um. Morgen muss ich mit meinem Hauswart reden - davor graut mir, aber hilft ja nix. 

Bisher ist mein Stundenplan übrigens sehr genial. Sonntag drei Stunden (bis 10.05 Uhr), Montag fünf Stunden, Dienstag und Mittwoch sechs, nur am Donnerstag durch die AGs acht Stunden. Meine bisherige Taximitfahrerin hat jeden Tag acht Stunden, die ich dann auch abwarten müsste, wenn ich in Agami wohnen bliebe. Will ich nicht, auch wenn sie jetzt alles andere als begeistert ist. Aber davon kann ich mein Leben ja nicht abhängig machen. 

Mal so als Vergleich:

Mein neuer Schulweg: klickst du hier

Mein alter Schulweg: bitte hier klicken

Übrigens lebe ich dann in der Nähe eines sehr beliebten Postkartenmotivs von Alexandria:


Wer sich für Einzelheiten interessiert, muss bei Google einfach mal "Stanly (bridge) Alexandria" eingeben. Aber ich werde dann sicherlich auch Fotos machen und hier veröffentlichen. Wird bestimmt ganz anders, als hier. Nicht besser und nicht schlechter - anders.

Die 400 Meter lange Stanley Brücke erhebt sich stolz an der Stanley Bay in Alexandria.. Etwas weiter entlang der Corniche können Sie Zeuge des alexandrinischen Lebensstils werden und alte Männer beim Backgammonspiel und die schlendernde Jugend vor der nächtlichen Skyline Alexandrias aus einem der nahen Cafés beobachten.

Unterhalb liegen der Hafen, der Stanley Beach und die Brücke mit ihren eleganten Türmen. In dieser Gegend gibt es zahlreiche traditionelle und internationale Cafés. Am besten besuchen Sie dieses Viertel an einem Sommerabend bei klarem Himmel, wenn der Sonnenuntergang noch inspirierender ist als sonst. Dann können Sie hier perfekte Fotos von der gesamten Küste Alexandrias machen. - See more at: http://de.egypt.travel/attraction/index/stanley-bridge#sthash.73kRTcKH.dpuf


Die 400 Meter lange Stanley Brücke erhebt sich stolz an der Stanley Bay in Alexandria.. Etwas weiter entlang der Corniche können Sie Zeuge des alexandrinischen Lebensstils werden und alte Männer beim Backgammonspiel und die schlendernde Jugend vor der nächtlichen Skyline Alexandrias aus einem der nahen Cafés beobachten.

Unterhalb liegen der Hafen, der Stanley Beach und die Brücke mit ihren eleganten Türmen. In dieser Gegend gibt es zahlreiche traditionelle und internationale Cafés. Am besten besuchen Sie dieses Viertel an einem Sommerabend bei klarem Himmel, wenn der Sonnenuntergang noch inspirierender ist als sonst. Dann können Sie hier perfekte Fotos von der gesamten Küste Alexandrias machen.
- See more at: http://de.egypt.travel/attraction/index/stanley-bridge#sthash.xqcxMSJK.dpuf
Die 400 Meter lange Stanley Brücke erhebt sich stolz an der Stanley Bay in Alexandria.. Etwas weiter entlang der Corniche können Sie Zeuge des alexandrinischen Lebensstils werden und alte Männer beim Backgammonspiel und die schlendernde Jugend vor der nächtlichen Skyline Alexandrias aus einem der nahen Cafés beobachten.

Unterhalb liegen der Hafen, der Stanley Beach und die Brücke mit ihren eleganten Türmen. In dieser Gegend gibt es zahlreiche traditionelle und internationale Cafés. Am besten besuchen Sie dieses Viertel an einem Sommerabend bei klarem Himmel, wenn der Sonnenuntergang noch inspirierender ist als sonst. Dann können Sie hier perfekte Fotos von der gesamten Küste Alexandrias machen.
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Die 400 Meter lange Stanley Brücke erhebt sich stolz an der Stanley Bay in Alexandria.. Etwas weiter entlang der Corniche können Sie Zeuge des alexandrinischen Lebensstils werden und alte Männer beim Backgammonspiel und die schlendernde Jugend vor der nächtlichen Skyline Alexandrias aus einem der nahen Cafés beobachten.

Unterhalb liegen der Hafen, der Stanley Beach und die Brücke mit ihren eleganten Türmen. In dieser Gegend gibt es zahlreiche traditionelle und internationale Cafés. Am besten besuchen Sie dieses Viertel an einem Sommerabend bei klarem Himmel, wenn der Sonnenuntergang noch inspirierender ist als sonst. Dann können Sie hier perfekte Fotos von der gesamten Küste Alexandrias machen.
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