Nachdem ich meinen Vorsatz, wieder öfter zu schreiben, ja großartig in die Tat umgesetzt habe, gibt's heute mal wieder einen konkreten Anlass: meine Theater-AG!
Schlimm, schlimm, schlimm!
Habe ich sonst wirklich viel Spaß und noch liebere Kinder, sind diese zwei Stunden mein persönlicher Alptraum. Ich weiß nicht, ob es an den Kindern oder an mir liegt - es wird wohl eine Kombination aus beidem sein... Jedenfalls graut mir bereits Mittwoch Abend vor den letzten zwei Stunden vor dem Wochenende - denn dann haben alle Schüler von der 2. bis zur 5. Klasse AG.
Ich wüsste gar nicht, wie ich beschreiben soll, warum es so furchtbar ist. Die Kinder hören nicht, sind laut, machen was sie wollen, können sich untereinander nicht leiden, haben soziale Störungen (ernsthaft! zwei davon werden von der Schulpsychologin betreut) und wollen alles, bloß kein Theater spielen. Und so gibt's in diesen zwei Stunden seit ca. 6 Wochen immer wieder Theater. Nur nicht solches, wie ich mir das vorstelle. Und seit ebenso langer Zeit erzähle ich immer wieder meinem Direktor, wie furchtbar das ist. Nun habe ich mit der Mittelstufenkoordination eine Funktionsstelle an der Schule übernommen und bekomme dadurch - theoretisch - Stundenentlastung. Theoretisch deshalb, weil es die Stelle offiziell erst ab dem zweiten Halbjahr gibt und weil wir es uns aufgrund des Lehrermangels nicht leisten können. Praktisch erzähle ich meinem Direktor seit Wochen, dass ich auf alle Entlastungsstunden verzichte, wenn ich bloß diese AG nicht weiter machen muss.
Letzte Woche dann mein persönlicher Höhepunkt, der damit endete, dass ich nach der AG nach Hause kam und mich erstmal ne halbe Stunde ins Bett gelegt und geheult habe. Aus Frust, Verzweiflung und auch Hilflosigkeit. Super Start ins Wochenende, das nur damit aufgebessert werden konnte, dass wir zweimal shoppen waren. Immerhin.
Heute hatte ich dann wegen etwas anderen einen Termin bei meinem Direktor und nachdem er mir mein imaginäres Lobkärtchen für die fleißige Arbeit gegeben hat, habe ich ihm erneut von meinem AG-Problem erzählt. Lange Rede, kurzer Sinn: ab nächste Woche übernimmt er die AG und ich darf dafür Förderunterricht in Deutsch der 4. Klasse übernehmen. Heißt, die Klasse wird zweigeteilt und von zwei Lehrern unterrichtet, in der Hoffnung, dass bei weniger Schülern mehr hängen bleibt. Ein Grund zu Feiern, ich sag's euch! Nie hätte ich das gedacht, aber lieber zwei Stunden Grammatik, als zwei Stunden Theater mit einer AG.
Lustigerweise kam der Direktor nach unserem Gespräch noch mal ins Lehrerzimmer, schaute mich an und meinte: "Hm...Theater-AG...das ist aber ganz schön viel Arbeit, oder?" "Ja, sag ich doch die ganze Zeit!" "Darf ich das Angebot zurücknehmen?! Nein... ich seh schon, darauf lassen Sie sich jetzt nicht mehr ein..." "Auf gar keinen Fall! Versprochen ist versprochen!" Ich bin mal gespannt, ob er aus diesem Sauhaufen noch was machen kann. Ich gebe es jedenfalls offiziell auf! Für die letzte AG-Stunde suche ich mir ein paar Spiele und dann können mich die lieben Kleinen mal gerne haben!
Ach, und noch etwas sehr Positives: ab nächstem Schuljahr soll es tatsächlich Ethik geben! Zwar erst ab der 9. Klasse, aber man nimmt ja, was man bekommen kann. Ich befürchte zwar noch, dass der Klassenlehrer das auch gerne machen würde, aber da kämpfe ich drum. Das wäre sooo toll!
