Donnerstag, 27. Februar 2014

Kairo extrem

Nun komme ich gerade aus Kairo zurück. Das fünfte Mal im Februar. Und so sehr ich diese Stadt mittlerweile mag, kann ich sie jetzt erstmal nicht mehr sehen. Wobei nicht die Stadt zu nerven beginnt, sondern der Weg dorthin. Desertroad rauf und runter. Der Weg vom Alexandria Stadttor in die Stadt ist das Schlimmste. Gefühlte drei Stunden sieht man die Skyline und kommt ihr einfach nicht näher. Nervenaufreibend. Leider haben wir für heute aber auch versäumt, dass Zugfahren viel angenehmer ist. Da hat man nur die Strecke vom bzw. zum Bahnhof, die Fahrt an sich ist super entspannt. Erste Klasse, d.h. große Sitze, viel Beinfreiheit und geraucht werden darf auch. Nun ja, vielleicht nicht ganz offiziell, tut aber trotzdem jeder. In zwei bis drei Stunden kommt man völlig entspannt an und wenn man nicht ausgerechnet ins Randgebiet muss, ist die Taxifahrt zum Zielort auch entspannt. Beim nächsten Mal dann... Wobei das nächste Mal in zwei Wochen sein wird, im Schlepptau zwei Kinder, auf dem Weg zum Vorlesewettbewerb. Ist vielleicht auch keine allzu gute Idee...

Letzte Woche habe ich dann endlich zum ersten Mal die Pyramiden gesehen. Vom Nahen, aus der Sicht eines Kamels. Naja, auf der Sichthöhe eines Kamels, besser gesagt. Eigentlich bin ich kein großer Freund von dieser Touriattraktion, aber irgendwie gehört's dann auch dazu. Und weil wir ja Einheimische sind, mussten wir keine 50 Euro zahlen, sondern nur 12. Auch wenn der Kamelführer mich ein wenig irritiert anschaute, als meine Freundin meinte, wir leben beide in Ägypten. Sehe ich etwa immernoch nicht so aus?! Muss vielleicht doch ein Kopftuch her :-)

Eine lustige Geschichte, bevor ich für heute schon wieder aufhören muss: In meiner siebten Klasse kamen die Schüler gestern auf schreiende Lehrer. Irgendjemand erwähnte mit fragender Stimme meinen Namen, sagen die Mädels direkt, nein, nicht Frau W., die ist lieb. Zwei Stunden später hatte ich in meiner sechsten Klasse Unterricht. Erst eine Arbeit, dann die Organisation des Faschingsfrühstücks, die Kinder waren wie ein Haufen Flöhe. Musste ich doch mal schreien. Auch wenn das vielleicht schwer vorstellbar ist, aber es war ein freundliches Schreien ;-) Jedenfalls hatte ich nicht mitbekommen, dass unser Fenster zum Flur offen stand. Die Folge? Nach der Stunde stand die Hälfte meiner 7. Klasse vor der Tür, kam rein, umarmte mich, mit den Worten "Oh, arme Frau W., wie haben sie bis zu uns gehört!" Und schmissen sich fast weg vor Lachen. Man soll's halt nicht beschreien :-)

Egal! Ist grad alles ein bisschen anstrengend. Gestern saß ich zwei Stunden mit dem Schulleiter zusammen, um die Schulbuchliste für nächstes Jahr durchzugehen. Als nächstes müssen die Bücher gezählt werden, die wir noch irgendwo rumliegen haben. Und Lektüre für Deutsch in der Mittelstufe ausgesucht werden. Und Vergleichsarbeiten in der 6. Klasse stehen an, genauso wie der Vorlesewettbewerb. Ums Visa für Osterreich sollte ich mich vielleicht auch langsam mal kümmern Die Veranstaltung heute diente der Vorbereitung für die mündliche DSD I-Prüfung (Deutsches Sprachdiplom), die Ende März ansteht und bei der ich den Vorsitz habe. Ich, als Nicht-Deutschlehrerin! Haben uns ein Video angeschaut und danach kamen so Fragen, wie, hat die Schülerin reflexive Verben, Infinitiv, Aktik/Passiv, blablabla benutzt? Weiß ich doch nicht! Naja, ein paar Sachen kenne ich mittlerweile, aber ich muss mich da definitiv vorher noch mal mit auseinandersetzen. Vor allem, weil ich heute erfahren habe, dass ich eventuell, vielleicht für einen Tag an eine andere Schule muss, um dort auch den Prüfungsvorsitz zu übernehmen, weil die eigentliche Vorsitzende einen wichtigen Termin mit meinem Schulleiter hat. Mish mushkilla, alles kein Problem...

Aber jetzt ist erstmal Wochenende! Und vielleicht läuten wir die Badesaison ein :-)

Montag, 17. Februar 2014

Fortsetzung von gestern


Das Meer kündigt den Frühling an. Oder ist es schon der Sommer? Jedenfalls hat es seit einer Woche eine andere Farbe. Von einem Dunkelblau ist es zu Türkis geworden. Richtig toll! Da fällt einem auch wieder auf, wie schön es ist, jeden Tag am Meer entlangzufahren. Meine Freundin meinte heute, es hätte eine "Schwimmfarbe". Und vielleicht schaffen wir's ja am Wochenende sogar zum Schwimmen. Denn auch wenn es morgens noch neblig und nieslig ist, ist es Mittags bereits so warm, dass wir ohne Jacken auf dem Dach sitzen und uns sonnen können. Wenn das geht, geht Schwimmen vielleicht auch. Und als wir heute von der Schule an diesem wunderschönen Meer gefahren sind, lief das obige Lied im Radio und die Sommerstimmung war perfekt.

Jetzt sitze ich aber leider erstmal wieder am Schreibtisch und musste die Sommerstimmung wegschieben. Habe ich bereits erzählt, dass von meinen 7. Klässlern der erste von der Schule abgemeldet wurde? Völlig überraschend für mich, auch wenn nicht grundlos. Wenn man aber bedenkt, dass sich die Eltern bisher so gar nicht gekümmert haben, finde ich diesen Schritt dann doch zu schnell. Nicht, dass ich offiziell von der Abmeldung wüsste. Bin ja nur die Klassenlehrerin. Der Direktor rief mich eines Tages an und fragte, was los wäre, da wäre gerade eine vollverschleierte Frau da gewesen und hätte gezetert. Am nächsten Tag fragte ich ihn, ob die Abmeldung offiziell wäre. Weiß er nicht, denn die Mutter hat auch nicht mit ihm geredet. Im Sekretariat hat man ebenfalls davon gehört, aber die Akte wäre noch da und damit ist er offiziell noch angemeldet. Die Schüler erzählten mir aber heute, dass er sich offiziell von ihnen verabschiedet hätte und auch bereits eine andere Schule besuchen würde. Sitten sind das!

Letzte Woche hatte ich ein Elterngespräch mit der Mutter einer Siebtklässlerin, die ebenfalls stark versetzungsgefährdet ist. Kann sie nichts machen. Sie kann kein Deutsch, einen Nachhilfelehrer findet man nicht und das Mädchen erzählt immer, es hätte keine Hausaufgaben auf und alles wäre schick. Wäre aber jedes Jahr dasselbe. Auf meine Frage, ob es denn aber so sinnvoll wäre, dass das Mädchen einige Schultage verpasst, weil Sportturniere oder Hochzeiten wichtiger sind, dann die langsame Annäherung, sie dürfte dann eben erstmal nicht mehr zum Sport. Wer's glaubt. Wenn ich die Mutter sehe und mir das Mädel vorstelle, weiß ich, wer zuhause die Hosen anhat. Fazit des Gespräches: Wenn das Mädchen sitzenbleibt, wird auch sie von der Schule abgemeldet. 

Heißt für nächstes Jahr: von sieben Schülern, sind's dann noch drei. Der Wahnsinn. 

Da aber in meiner 6. Klasse nur ein Mädchen geht und alle anderen bleiben, fühle ich mich nicht verantwortlich. 

Ach Mist, ich denke so oft, dass ich bestimmte Sachen hier schreiben will und wenn ich dann vorm PC sitze ist mein Kopf leer :-(

Sonntag, 16. Februar 2014

viel unterwegs, eine lange to-do-Liste, aber immernoch Spaß


Wir hatten heute eine Fortbildung mit dem aufregenden Titel "Interkulturelle Kompetenzen". Als Einstieg gab's das Video. Und auch wenn man den Text nicht versteht und den Untertitel nicht lesen kann, haben die Bilder doch etwas mit dem Text zu tun - man kann sich also eine Menge zusammen reimen. Im Grunde geht's wohl darum, dass sich die Ägypter als eine Art Salat sehen - bunt. 

Und am Ende gab's eine Übersicht, in der man sich dann wiederfinden konnte. Gibt man seine eigene kulturelle Identität auf oder hängt man an ihr? Sucht man Kontakte und Bezugspunkte in der ägyptischen Identität oder meidet man sie? Ich muss sagen, auch wenn ich zwischendurch mal von einigen angegangen wurde, nur weil ich der Meinung bin, dass ich auch in Ägypten eine gewisse Pünktlichkeit erwarte, ist bei mir doch "Integration" herausgekommen. Ja, ich hänge an gewissen Teilen meiner kulturellen Identität. Aber, ich lasse mich auch auf die neue Kultur ein. Nur weil ich im Land bin, brauche ich ja nicht alles übernehmen. Das wäre dann Assimilation und das hat für mich einen eher negativen Beigeschmack.

So, jetzt wollte ich heute eigentlich mal wieder mehr schreiben, aber gerade klingelte es, meine Nachbarin ist wieder zuhause und wir trinken noch ein Schlummergetränk. Aber die Tage hole ich das bestimmt nach. Nur...ich muss ja weiter die kulturellen Verbindungen und Beziehungen pflegen ;-)

Freitag, 31. Januar 2014

Ferienlaune und strahlende Augen

Eieiei...ich habe gerade mein letztes Posting überflogen, da wimmelt es ja von hanebüchenen Rechtschreibfehlern. Naja, irgendwie muss man sich den Umständen ja anpassen. Oder ich rede mich mit der Arbeit raus, die manchmal irre macht, so dass man nicht mehr auf die einfachsten Sachen kommt. Das zeigt sich übrigens am häufigsten bei Redewendungen. Da fragt man sich ganz oft, wie das noch mal genau war. Aber das geht zum Glück fast allen so, die hier sind und so mach ich mir da keine Gedanken drüber.

Nachdem ich mir ja charmanterweise von Teilen meiner Familie die Frage stellen lassen musste, ob ich zugenommen hätte, nachdem sie die Klassenfotos gesehen haben, mich hier wiederum aber Leute ansprechen, warum ich so abgenommen habe, habe ich nun doch mal den Schritt auf die Waage gewagt und mein Gefühl hat sich bestätigt. Ja, ich wiege immer noch 4 Kilo mehr als im Studium oder Ref. Aber (!!!) seit meinem Umzug hierher sind dann doch 4 Kilo (oder mehr?) verloren gegangen. Haben also beide Seiten Recht und ich jetzt hoffentlich wieder Ruhe. Mein persönliches Wohlfühlgewicht wird wohl noch ein bisschen auf sich warten lassen, aber das kann ja nicht verwundern, wenn man sich die Lebensweise hier ansieht: Fastfood, keinen Schritt zu Fuß, kaum Sport (erst seit kurzem wieder vereinzelte Versuche), Alkohol und kaum Obst bzw. Gemüse. Da passt man sich den Lebensgewohnheiten voll an (vom Alkohol mal abgesehen), nicht umsonst sind wirklich sehr viele Ägypter übergewichtig. Aber so weit wird es hoffentlich nicht kommen. 

Und wie waren die Ferien so? Heute ist ja immerhin schon wieder Wochenende und übermorgen geht's wieder in die Schule... Arbeit und Lesen hauptsächlich. Jeden Tag, kontinuierlich und entspannt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich mein System noch mal ändern muss. Gefühlt könnte ich ständig aufräumen und meine Unterlagen in Ordnung bringen. Seit ich hier bin hatte ich ungefähr schon drei Varianten mit meinen Schulsachen umzugehen. Was nimmt man mit zur Schule, wo packt man's danach hin um es im nächsten Jahr bei Bedarf auch wiederzufinden? Ist irgendwie nicht so einfach. Und jetzt habe ich zwar ein System, mit dem ich zufrieden bin, aber das Chaos hört trotzdem nicht auf. War im Ref irgendwie einfacher. Man könnte jetzt damit argumentieren, dass ich da ja auch weniger Unterrichtsstunden hatte, aber die Kurs- bzw. Fächeranzahl ist nicht gestiegen. Ist also auch keine wirkliche Erklärung. Egal, wird scho. Zeigt aber, dass ich auch später ein Arbeitszimmer brauche. Wenn ich den ganzen Mist auch noch im Wohnzimmer hätte, würde ich wahnsinnig werden.

Highlight meiner Ferien hatte aber weder was mit Schule noch mit Tauchen zu tun, den zwei Sachen, die mich bisher immer begleitet haben. Sondern mit etwas lang Geplanten und endlich Umgesetzten: Ich habe meine Augen lasern lassen. Ohgottohgottohgott, so was Fortschrittliches in Ägypten. Afrika. Dritte Welt Land, dort wo Menschen noch nicht mal vernünftig Autofahren können. Augenlasern können sie aber definitiv. Dass ich vorher kaum Sorgen hatte, liegt bestimmt daran, dass, wenn man sich einmal mit der Materie beschäftigt, man zig Leute trifft, die es bereits haben machen lassen. In Deutschland hatte ich immer das Gefühl, es ist noch etwas Besonderes. Besonders ist es hier ja auch, aber eben schon alltäglicher. Und so haben mir ganz viele Leute Mut zugeredet und die (quasi nicht vorhandene) Angst genommen. Ein weiterer, nicht ganz unwesentlicher Punkt bei der Entscheidung war aber auch das Geld. In Deutschland kostet das locker 3000 Euro, ich wage kaum zu sagen, was ich bezahlt habe...inkl. Vor- und Nachuntersuchung, 410 Euro, Stromausfall vor der OP inklusive. Die OP - oder wie der Arzt so schon meinte "No, it isn't an operation, it's just a session" - war dann aber doch sehr beängstigend und ich muss sagen, so nervös und angespannt war ich noch nie. Gefühlte tausend Tode bin ich gestorben, als ich da lag und ich für einen Moment nichts gesehen habe, als die Netzhaut nach oben geklappt wurde. Ich meine, bei aller Unbekümmertheit nach außen, innerlich weiß man, es geht um einen nicht ganz unwesentlichen Körperteil, der da grad behandelt wird. Mein Direktor meinte im Vorfeld, er würde das nie machen lassen - schon gar nicht in Ägypten - so viel könne schiefgehen und wenn dann was passiert und man nichts mehr sieht... Keine schöne Vorstellung. Aber jetzt sitze ich hier, drei Tage danach und kann immer noch nicht fassen, zu was die Medizin alles in der Lage ist. Ich meine, man muss sich das mal vor Augen halten (haha!), da hat man eine Sehschwäche von -4,5 Dioptrin und sieht jetzt direkt nach dem Aufstehen was, ohne Brille oder Kontaktlinsen. Nicht perfekt, das muss ich zugeben, aber wirklich sehr sehr gut! Die Sehstärke verändert sich wohl im ersten Monat noch, wird besser, aber selbst wenn es so wie jetzt bliebe, wäre ich sehr zufrieden. Was stört's mich, wenn ich evtl. in Deutschland beim Autofahren irgendwann mal wieder eine Brille bräuchte? Ich kann aber bereits wieder ohne Probleme lesen, am Computer arbeiten, in die Wohnungen des Nachbarhauses schauen. Unglaublich! Und dabei wurde ich auch von allen Nachwirkungen verschont, von denen mir meine Nachbarin vorher ausdauernd erzählte (sie hat das bereits vor 4 Jahren machen lassen). Weder haben meine Augen danach ohne Unterlass getränt, noch hatte ich das Gefühl, eine Wimper im Auge zu haben, noch verspüre ich Druck oder Schmerzen, bei Sonnenlicht. Wen's interessiert: danach fühlten sich meine Augen an, als wäre ich zu lange in einer Disco oder Kneipe, in der die Lüftung nicht funktioniert und permanent geraucht wird. Es brannte leicht. Am Tag danach fühlten sich die Augen nur noch müde an. Und heute brennen die Augentropfen ein wenig und ich muss aufpassen, dass ich mir nicht die Augen reibe. Aber ansonsten stört nur die Schutzbrille, die ich nachts tragen muss, damit ich mir nicht im Schlaf die Augen reiben kann. Ich kann's wirklich nur empfehlen. Meinen Wunsch, meine Augenfarbe in Grün umzuändern, kam der Doktor leider nicht nach. Blau ist ja aber auch ganz nett ;-)

Dienstag, 21. Januar 2014

Kurz vor den Ferien

Die kleine 7. Klasse, von der uns zwei Jungen am Ende des Jahres verlassen und weitere drei versetzungsgefährdet sind...

Meine süßen 6. Klässler, die nicht nur putzig, sondern auch noch clever sind. Mein "Liebling" (ich weiß, den darf man ja nicht haben) ist übrigens der dritte Junge von links. Meine Nachbarin nennt ihn Monchichi :-)

Sind sie endlich da, die Klassenfotos, die Anfang November aufgenommen wurden. Sind sie nicht süß?! Okay, über die Schuluniformen kann man streiten - ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt - aber wahre Schönheit entstellt ja nichts...oder so ähnlich. Und wer glaubt, dass Klassenfotos mit nur sieben Schülern seltsam aussehen, hat das von der 8. Klasse noch nicht gesehen, auf dem nur vier Schüler zu sehen sind. 

Gestern erreichte mich die Freudennachricht schlechthin: Mein Problemschüler aus der 7. Klasse verlässt uns jetzt tatsächlich zum Ende des Schuljahres. Und da die andere Nervensäge auch geht, kann's ja nur aufwärts gehen. Ich hoffe, dass die anderen drei versetzungsgefährdeten Kinder noch die Kurve bekommen, sond's wird das Foto im nächsten Jahr genauso merkwürdig wie das der jetzigen 8. Aber mein Direktor war da und erzählte mir, dass wir von zwei 7. Klässlern Bewerbungen haben. Mal sehen, ob die genommen werden und uns nächstes Jahr Gesellschaft leisten.

Nun gut. Die Zeugnisse sind ja geschrieben. Vor zwei Tagen hieß es plötzlich, die Arabischnoten stimmen nicht, wir müssten sie neu schreiben. Ich war schon kurz vorm Koller. Nun bekommen die Eltern aber doch einfach ein Schreiben mit dem Zeugnis und wir bleiben verschont. Al hamduliläh!

Die Klassenfahrt nach Wien ist jetzt auch verbindlich gebucht und bald müsste das erste Geld eingehen. Hoffentlich... Die Flugtickets sind reserviert und werden nach den Ferien hoffentlich gebucht. Dann geht's ans Visa beantragen. Na wird scho alles irgendwie...

Unsere Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" trägt auch bald Früchte. So wird das von der 7. Klasse erstellte Video bald auf Facebook online sein, ebenso wie auf der PASCH-net Seite (einer Seite von deutschen Auslandsschulen). Außerdem nehmen wir damit an einem IHK-Wettbewerb teil, der so wenig Teilnehmer hat, dass sich unser Direktor große Chancen ausmalt.

Wenn es online ist, veröffentliche ich den Link natürlich sofort hier.

Freitag, 17. Januar 2014

Das erste Halbjahr geht zu Ende

Noch eine Woche Schule, dann sind schon wieder Ferien. Leider verbringe ich die diesmal zuhause. Naja, "leider" stimmt nicht ganz. Davon mal abgesehen, dass Wegfahren und evtl. noch Tauchen gutes Geld kostet, ist mir momentan gar nicht danach. Nun dachte ich, okay, dann nutze ich diese Woche um mal ein  paar Sachen aufzuarbeiten bzw. vorzubereiten, aber momentan habe ich das Gefühl, dass es gar nicht mehr so viel Liegengebliebenes gibt und durch meine Arbeit in den Weihnachtsferien auch die Zukunft halbwegs vernünftig geplant ist. Na mal sehen, wie die Woche dann tatsächlich wird. Im Zweifel schlafen, lesen, essen. Gibt ja Schlimmeres. 

Was gibt's Neues?

Aus meiner Klassenfahrt mit der 6.-8. Klasse nach Wien wird's jetzt nichts. Die 7. und 8. Klässler wollen nicht mit, weil die 6. dabei ist. Nun fahre ich halt mit der 6. Klasse alleine. Und weil ein Mädchen nicht mitkann, weil es für die Mutter zu teuer ist, ein anderes nicht mitdarf, weil die Eltern Salafisten sind und Europa dem armen Kind ja schaden könnte und ein drittes Mädchen nicht mitkann, weil die kleine Schwester gerade sehr krank ist und das die Eltern Unmengen Krankenhausgeld kostet (was sie aber nicht weiß), fahren wir nur mit 10 Schülern. Eigentlich finde ich das gar nicht so schlecht, weil die 6. Klässler wirklich pflegeleicht sind. Lebhaft ja, aber am Ende hören sie dann doch (was über die 7. Klasse nicht unbedingt gesagt werden kann). Nun warte ich noch auf zwei Unterschriften von Eltern und dann kann gebucht werden. 

Dann, und das hört sich jetzt fast gemein an, hat eine Kollegin gekündigt, worüber ich mehr sehr sehr sehr freue. Ich versuche ihr gegenüber nicht allzu breit zu grinsen... Ich ertrage weder sie, noch ihren Sohn, der in meiner 7. Klasse ist. Mir ist schon klar, dass man nicht alle Kollegen gern haben kann und normalerweise ignoriert man sich dann eben. Aber bei einem so kleinen Kollequium ist ignorieren schwer und so hatte ich in letzter Zeit häufig "Bauchweh" bei dem Gedanken daran, dass man mit ihr arbeiten muss. Auf der anderen Seite freue ich mich tatsächlich für sie und hätte nicht gedacht, dass sie das wirklich durchzieht. Bisher hat sie immer nur gejammert - wenig Geld, zu viel Arbeit. Und das mag ich überhaupt nicht. Dann muss man etwas ändern. Ihr Standartspruch war allerdings "Ich weiß, es ist ein Problem, aber ich kann es nicht ändern." Schlimm für mich, so etwas zu hören. Jetzt hat sie eine neue Stelle, an einer anderen Schule in Alex und ich drücke ihr die Daumen, dass sie dort mehr Geld bekommt und weniger Arbeit hat. Ich persönlich glaube es noch nicht, aber es geschehen ja noch Zeichen und Wunder. Mir soll's egal sein.

Meine ersten Zeugnisse! Kaum fertig mit dem Ref und jetzt muss man Zeugnisse schreiben. Und mit schreiben meine ich wirklich schreiben. Keine Vordrucke auf dem PC, die dann einfach ausgedruckt werden (warum das nicht geht, ist mir nach wie vor ein Rätsel) und der Anweisung vom Chef in unserer "Sonntagsschrift" zu schreiben. Ich und Sonntagsschrift. Nun gut, ich habe mir Mühe gegeben, besser kann ich's einfach nicht. Das Problem hätte ich in Deutschland übrigens nicht. Da wäre ich mit zwei Nebenfächern nie Klassenlehrerin geworden und müsste nur die Fachnoten weiterreichen. Jetzt darf ich mir am Donnerstag tatsächlich die Gesichter ansehen, wenn sie ihre Zeugnisse bekommen. Und weil die Eltern ja kein bzw. kaum deutsch sprechen, muss man mit jedem Kind die Zeugnisbemerkungen besprechen, damit das Kind es seinen Eltern erklären kann. Einem Schüler habe ich z.B. auf das Zeugnis geschrieben, dass er ein kritisch denkender Schüler ist. Ein absolutes Lob, vor allem, weil die meisten ägyptischen Kinder gar nicht wissen, wie das geht. Aber ich befürchte, die Eltern lesen nur etwas von kritisch und stehen direkt bei mir auf der Matte. 

Nun ja, viel mehr Sorgen macht mir aber meine 7. Klasse. Es sind nur 7 Schüler/innen, aber die haben's in sich. Die Zeugnisse machen das sehr deutlich. Vier von ihnen sind versetzungsgefährdet. Vier von sieben! Die Durchschnittsnoten belaufen sich zwischen 1,3 und 3,9! Spitzenreiter ist ein Schüler, der sage und schreibe 6 Fünfen hat! Wohlgemerkt waren die Eltern noch nie bei mir. Genau genommen kennt keine der Kolleginnen seine Eltern. Die Einzige, die sie mal gesehen hat, ist die ägyptische Schulleiterin - am Tag der Einschulung.

Und das könnte im nächsten Schuljahr noch schlimmer werden. Die jetzige 8. Klasse besteht aktuell aus vier Schülern. Einer davon verlässt zum Ende des Jahres die Schule, weil die Eltern nach Deutschland ziehen. Bei einem anderen Schüler findet am Sonntag ein Elterngespräch statt, weil es Gerüchte gibt, dass auch er die Schule verlässt. Blieben noch zwei. Wenn das tatsächlich so ist, werden die 7. und 8. Klasse zusammengelegt. Einer von den beiden 8. Klässlern hat aber im Probedurchlauf für das deutsche Sprachdiplom die Anforderungen nicht geschafft. Nach acht Jahren deutsche Schule. Wohlgemerkt ist das Sprachdiplom für Kinder, die vier Stunden Deutschunterricht pro Woche haben - für die Deutsch also wirklich eine Fremdsprache ist. Nicht für Schüler, die seit acht Jahren ihren kompletten Unterricht auf Deutsch haben. Ich hab das mal ausgerechnet. Die Zielgruppe für das Sprachdiplom hat 600-800 Stunden Deutschunterricht hinter sich. Der Deutschunterricht für unsere Schüler umfasst bis zur Prüfung allerdings mehr als 2000 Stunden. Da ist der deutschsprachige Mathe-, Erdkunde-, Geschichts-, Biologie-, Physik- und Chemieunterricht noch nicht mit eingerechnet. Wie soll man denn da unterrichten? Naja, kommt Zeit, kommt Rat.

Und zum Schluss. Ich hatte am Donnerstag mein Mitarbeitergespräch, was sehr lustig ist, weil der Direktor gleich meinte, wir bräuchten ja nicht so lange, weil wir eh mindestens einmal die Woche zusammensitzen und über alles Mögliche reden. Lob Lob Lob. Hab ich mich natürlich gefreut. Ich durfte meine Wünsche äußern, welche Klassen und  Fächer ich im nächsten Schuljahr unterrichten möchte. Ist allerdings wie beim Weihnachtsmann, ob diese Wünsche dann tatsächlich erfüllt werden, steht in den Sternen. Aber höchstwahrscheinlich wird Ethik eingeführt, das bekomme ich auf jeden Fall. Und wahrscheinlich mehr Geschichte. Und wieder zwei Klassenleitungen. Wie das mit den Stunden dann funktionieren soll, weiß ich aber auch noch nicht. Vor allem, weil ich mir mindestens eine Klasse in Mathe gewünscht habe. Das mache ich wirklich sehr gerne. Die Vorbereitung geht flott und das Korrigieren noch viel schneller. Richtig oder falsch? Fertig! Auch hier heißt es Abwarten.

Jetzt bringen wir erstmal die letzte Woche hinter uns und dann geht's in die zweite Runde.

Dienstag, 7. Januar 2014

Mit viel Schwung in's neue Jahr...

...oder so ähnlich ;-)

Irgendwie denke ich oft daran, hier mal wieder etwas zu schreiben. Und dann passiert wieder irgendwas, irgendwer will etwas oder irgendetwas muss noch dringend erledigt werden.

Grad im Urlaub, so am Pool liegend und auf's Meer schauen, dachte ich: Ach was, ich kauf mir so ein kleines Boot und schipper einfach nur noch durch die Welt und über die Meere. Naja, wird wohl heute und morgen nichts werden, aber träumen darf man ja :-)

Und während man die Tage vor Silvester immer wieder stimmungsvolle Zitate und Glückwünsche für das neue Jahr bzw. Rückblicke auf's alte Jahr auf Facebook gelesen hat, fragt man sich schon, was denn letztes Jahr eigentlich war und wie man es als "Gesamtpacket" (das Ref prägt halt immer noch) betrachten und beurteilen würde.

Ereignisreich wäre wohl der passende Ausdruck. Zu Beginn voll im Examensstress, immer die Angst im Nacken, was passiert, wenn man es doch nicht schafft. Dann die Zusage für den Job in Alexandria, die auf der einen Seite natürlich sehr beruhigt, weil es schön zu wissen ist, dass man nach der Ausbildung nicht für lange Zeit beim Jobcenter rumhängen muss, die auf der anderen Seite aber noch nervöser macht, denn wer will so eine Stelle schon absagen, weil man durch's Examen gefallen ist? Aber dann ging ja doch alles gut und die Behördenrennerei und Umzugsplanung konnten beginnen. Im Nachhinein halb so wild, mittendrin sah's da schon anders aus. Im Dezember erhielt ich dann tatsächlich eine Mail von meinem deutschen Geldgeber, mit der Bitte, einer Kollegin, die an einer Schule in Sharm el sheikh beginnt, unterstützend unter die Arme zu greifen und ihr zu erklären, wie das mit den Behörden so funktioniert. Bezeichnend, dass sie das nicht selber können, aber man ist ja nett und hilfsbereit. Im Mai durfte ich dann zum ersten Mal meine zukünftige Wahlheimat besuchen und bin da heute noch dankbar für die Idee und Unterstützung, wirklich vorher zu fliegen. Denn auch wenn ich heute vieles klarer sehe und mich da bei dem ein oder anderen getäuscht habe, konnte es doch schon ein gutes Bild von der Zukunft vermitteln und man hatte ein nicht mehr ganz so blauäugiges Bild von einer Schule im Ausland. Aber heute muss ich über manches, was ich "damals" gedacht habe, wirklich schmunzeln. Ich erinnere mich zum Beispiel noch, wie ich mit dem damaligen Direktor und einer Kollegin (die ebenfalls zurück nach Deutschland gegangen ist) auf dem Dach saß und wir uns über die Kolleginnen unterhalten haben. Die, die schon da waren und die, die noch kommen sollten. Da meinte ich, Menschen, die den Mut besitzen ins Ausland zu gehen (noch dazu ins muslimische) und dort leben und arbeiten, müssten doch gute Menschen sein. Gut nicht unbedingt im moralischen Sinne, aber so vom Idealismus und der Energie her gesehen. Menschen, die etwas bewegen wollen, voller Tatenkraft sind und dabei optimistisch. Nun ja, heute verstehe ich die Blicke des Direktors und der Kollegin und das leichte Lächeln, mit dem sie mich nach dieser Aussage bedacht haben. Da gibt es unter den Kolleginnen gestrandete Existenzen, die einfach nirgendwo sonst hinkönnen oder die, die man auch in Deutschland hat: ewig miesepetrig, nörgelnd und jammernd oder die, die keine Ahnung haben, von dem was sie tun. Aber ich habe hier auch wirklich liebe Menschen getroffen und durch die ich auch die Nachteile des Auslandsschulwesens erkenne: die Kurzlebigkeit. Keiner ist hier mit dem Ziel, die nächsten zehn Jahre an der Schule zu verbringen. Für jeden ist es nur eine Station, mit den unterschiedlichsten Zielen danach. 

Alles in allem sind es dann doch die Schüler, die das ganze prägen. Und mit denen habe ich ja nun - wie schon öfter erwähnt - wirklich Glück gehabt. Klar gibt es auch unter ihnen solche, die ich schlicht und ergreifend nicht leiden kann und mir jeden Tag Mühe geben muss, ihnen trotzdem mit einem Lächeln zu begegnen. Die Mehrzahl von ihnen mag ich aber einfach nur. Liebenswert, fleißig, bei weitem nicht perfekt, aber mit Sonne mit Herzen. Und wenn man dann jeden Morgen stürmisch begrüßt und angelacht wird, macht es auch einfach nur Spaß. 

Aber ich war im Mai stehen geblieben. Die nächsten drei Monate dann das typische Leben eines Arbeitslosen gelebt. Mit dem Unterschied, immer zu wissen, dass es nur auf Zeit ist. Viel gelesen, die Sonne genossen (wenn sie denn mal da war) und einfach in den Tag hinein gelebt. Über diese Zeit bin ich wirklich sehr froh, denn diese Ruhephase nach dem Examen und vor dem Aufbruch ins Neuland waren wirklich nötig. In Ägypten angekommen dann erst mal gewartet. Da wurde der Schulbeginn ständig verschoben, weil die politische Situation noch angespannt war. Das erwartet uns ja jetzt vielleicht wieder. Und so hat das ägyptische Schulministerium schon beschlossen, dass nächste Woche zwei Tage außerplanmäßig frei sind - nur unsere Schule hat sich offiziell noch nicht geäußert. Für heute - dem Tag der koptischen Weihnacht - hofft man ebenfalls, dass nichts schlimmes passiert (bisher scheint es allerdings ruhig zu sein). Aber das ist halt Ägypten. Politisch ruhig wird's in den nächsten Monaten (wenn nicht gar Jahren) wohl nicht werden. Ein wichtiger Schritt war für mich dann Ende August - trotz der politischen Unruhen - vom Randgebiet in die Stadt zu ziehen. Hier ist es gefährlicher, in dem Sinne, dass hier mehr Demonstrationen stattfinden und immer mal wieder, irgendwo ein Auto angezündet wird, aber für mein Wohlbefinden hat sich der Umzug eindeutig gelohnt. Klar, im Randgebiet hatte ich den Strand, aber hier fühle ich mich mehr am Leben beteiligt. Von der viel geringeren Fahrtzeit zur Schule mal abgesehen, die aber auch nicht unwesentlich ist. Und damit eine Kollegin getroffen, die nicht nur meine Vermieterin und Nachbarin ist, sondern ganz schnell zu einer sehr guten Freundin wurde, die ich nicht missen möchte. Leider verlässt sie Ägypten in diesem Jahr, aber daran denke ich noch nicht. 

Das Vorhaben Arabisch zu lernen, wurde mit Privatunterricht gestartet, der dann im Dezember zum erliegen kam. Ich hatte einfach zu viel zu tun, meine Lehrerin ebenfalls. Aber das ist einer der wenigen Vorsätze für's neue Jahr: den Unterricht ganz bald wieder aufzunehmen. 

Großartig in diesem Jahr waren auf alle Fälle meine Urlaube. Nach Jahren der mehr oder weniger finanziellen Mittellosigkeit, jetzt endlich die Möglichkeit, in den Ferien tatsächlich wegzufahren und ohne große finanziellen Sorgen leben zu können. Trotz des relativ teuren Hobbys, des Tauchens. Urlaub machen, Miete bezahlen können, sich nicht mehr all zu viele Gedanken darum machen zu müssen, ob das Geld für mehr als Brot und Milch reicht, alleine aus diesen Gründen würde ich vor allem das Jahresende als gelungen betrachten. Und so verdiene ich hier zwar nicht mehr als bei einem Job in Deutschland, aber durch das relativ günstige Leben, hat man einfach mehr davon. Und so bleibe ich definitiv noch so lange, bis ich ein Sparpolster habe, das mir auch in Deutschland mehr Ruhe gibt. 

Und so gibt es eigentlich auch kaum mehr private Vorsätze für das neue Jahr: arabisch lernen und ein bisschen mehr sparen. Reicht ja auch. Und mit dem Rauchen aufhören kann ja wohl jeder ;-) Berufliche Vorsätze gibt es da ein wenig mehr. aber das würde hier an dieser Stelle langweilen. Ich denke, ich habe jetzt die ersten Monate dazu gebraucht, mich in meinen neuen Rollen halbwegs zurecht zu finden, so dass ich in diesem Jahr mehr auf die Details achten kann. Aber es ist halt auch Wahnsinn, wenn man bedenkt, mit was man alles plötzlich konfrontiert ist, mit dem man erstmal nicht gerechnet hätte. Hieß es zu Beginn, dass man Klassenlehrerin einer Klasse und die Fortbildungskoordinatorin der Schule wird, sind's dann plötzlich zwei Klassen, die man betreuen muss und neben dem Fortbildungsgedöns auch noch die Mittelstufenleitung. Da muss man sich auf einmal mit Dingen beschäftigen, die einem noch vor einem halben Jahr völlig fremd waren. Aber es macht ja auch Spaß und zum Glück ist der neue Direktor so nett und kompetent, dass man es irgendwie schon hinbekommt. 

Nun ja, warten wir mal ab, was das Jahr 2014 so mit sich bringt. Jetzt heißt es erstmal arbeiten, arbeiten, arbeiten. Die Halbjahreszeugnisse stehen vor der Tür, ein Vorlesewettbewerb wartet, die Klassenfahrt nach Wien im Juni muss organisiert werden und die Sommerferien sind noch ein wenig hin. Aber im Großen und Ganzen freue ich mich auf die Zeit und bin einfach nur gespannt.