Eieiei...ich habe gerade mein letztes Posting überflogen, da wimmelt es ja von hanebüchenen Rechtschreibfehlern. Naja, irgendwie muss man sich den Umständen ja anpassen. Oder ich rede mich mit der Arbeit raus, die manchmal irre macht, so dass man nicht mehr auf die einfachsten Sachen kommt. Das zeigt sich übrigens am häufigsten bei Redewendungen. Da fragt man sich ganz oft, wie das noch mal genau war. Aber das geht zum Glück fast allen so, die hier sind und so mach ich mir da keine Gedanken drüber.
Nachdem ich mir ja charmanterweise von Teilen meiner Familie die Frage stellen lassen musste, ob ich zugenommen hätte, nachdem sie die Klassenfotos gesehen haben, mich hier wiederum aber Leute ansprechen, warum ich so abgenommen habe, habe ich nun doch mal den Schritt auf die Waage gewagt und mein Gefühl hat sich bestätigt. Ja, ich wiege immer noch 4 Kilo mehr als im Studium oder Ref. Aber (!!!) seit meinem Umzug hierher sind dann doch 4 Kilo (oder mehr?) verloren gegangen. Haben also beide Seiten Recht und ich jetzt hoffentlich wieder Ruhe. Mein persönliches Wohlfühlgewicht wird wohl noch ein bisschen auf sich warten lassen, aber das kann ja nicht verwundern, wenn man sich die Lebensweise hier ansieht: Fastfood, keinen Schritt zu Fuß, kaum Sport (erst seit kurzem wieder vereinzelte Versuche), Alkohol und kaum Obst bzw. Gemüse. Da passt man sich den Lebensgewohnheiten voll an (vom Alkohol mal abgesehen), nicht umsonst sind wirklich sehr viele Ägypter übergewichtig. Aber so weit wird es hoffentlich nicht kommen.
Und wie waren die Ferien so? Heute ist ja immerhin schon wieder Wochenende und übermorgen geht's wieder in die Schule... Arbeit und Lesen hauptsächlich. Jeden Tag, kontinuierlich und entspannt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich mein System noch mal ändern muss. Gefühlt könnte ich ständig aufräumen und meine Unterlagen in Ordnung bringen. Seit ich hier bin hatte ich ungefähr schon drei Varianten mit meinen Schulsachen umzugehen. Was nimmt man mit zur Schule, wo packt man's danach hin um es im nächsten Jahr bei Bedarf auch wiederzufinden? Ist irgendwie nicht so einfach. Und jetzt habe ich zwar ein System, mit dem ich zufrieden bin, aber das Chaos hört trotzdem nicht auf. War im Ref irgendwie einfacher. Man könnte jetzt damit argumentieren, dass ich da ja auch weniger Unterrichtsstunden hatte, aber die Kurs- bzw. Fächeranzahl ist nicht gestiegen. Ist also auch keine wirkliche Erklärung. Egal, wird scho. Zeigt aber, dass ich auch später ein Arbeitszimmer brauche. Wenn ich den ganzen Mist auch noch im Wohnzimmer hätte, würde ich wahnsinnig werden.
Highlight meiner Ferien hatte aber weder was mit Schule noch mit Tauchen zu tun, den zwei Sachen, die mich bisher immer begleitet haben. Sondern mit etwas lang Geplanten und endlich Umgesetzten: Ich habe meine Augen lasern lassen. Ohgottohgottohgott, so was Fortschrittliches in Ägypten. Afrika. Dritte Welt Land, dort wo Menschen noch nicht mal vernünftig Autofahren können. Augenlasern können sie aber definitiv. Dass ich vorher kaum Sorgen hatte, liegt bestimmt daran, dass, wenn man sich einmal mit der Materie beschäftigt, man zig Leute trifft, die es bereits haben machen lassen. In Deutschland hatte ich immer das Gefühl, es ist noch etwas Besonderes. Besonders ist es hier ja auch, aber eben schon alltäglicher. Und so haben mir ganz viele Leute Mut zugeredet und die (quasi nicht vorhandene) Angst genommen. Ein weiterer, nicht ganz unwesentlicher Punkt bei der Entscheidung war aber auch das Geld. In Deutschland kostet das locker 3000 Euro, ich wage kaum zu sagen, was ich bezahlt habe...inkl. Vor- und Nachuntersuchung, 410 Euro, Stromausfall vor der OP inklusive. Die OP - oder wie der Arzt so schon meinte "No, it isn't an operation, it's just a session" - war dann aber doch sehr beängstigend und ich muss sagen, so nervös und angespannt war ich noch nie. Gefühlte tausend Tode bin ich gestorben, als ich da lag und ich für einen Moment nichts gesehen habe, als die Netzhaut nach oben geklappt wurde. Ich meine, bei aller Unbekümmertheit nach außen, innerlich weiß man, es geht um einen nicht ganz unwesentlichen Körperteil, der da grad behandelt wird. Mein Direktor meinte im Vorfeld, er würde das nie machen lassen - schon gar nicht in Ägypten - so viel könne schiefgehen und wenn dann was passiert und man nichts mehr sieht... Keine schöne Vorstellung. Aber jetzt sitze ich hier, drei Tage danach und kann immer noch nicht fassen, zu was die Medizin alles in der Lage ist. Ich meine, man muss sich das mal vor Augen halten (haha!), da hat man eine Sehschwäche von -4,5 Dioptrin und sieht jetzt direkt nach dem Aufstehen was, ohne Brille oder Kontaktlinsen. Nicht perfekt, das muss ich zugeben, aber wirklich sehr sehr gut! Die Sehstärke verändert sich wohl im ersten Monat noch, wird besser, aber selbst wenn es so wie jetzt bliebe, wäre ich sehr zufrieden. Was stört's mich, wenn ich evtl. in Deutschland beim Autofahren irgendwann mal wieder eine Brille bräuchte? Ich kann aber bereits wieder ohne Probleme lesen, am Computer arbeiten, in die Wohnungen des Nachbarhauses schauen. Unglaublich! Und dabei wurde ich auch von allen Nachwirkungen verschont, von denen mir meine Nachbarin vorher ausdauernd erzählte (sie hat das bereits vor 4 Jahren machen lassen). Weder haben meine Augen danach ohne Unterlass getränt, noch hatte ich das Gefühl, eine Wimper im Auge zu haben, noch verspüre ich Druck oder Schmerzen, bei Sonnenlicht. Wen's interessiert: danach fühlten sich meine Augen an, als wäre ich zu lange in einer Disco oder Kneipe, in der die Lüftung nicht funktioniert und permanent geraucht wird. Es brannte leicht. Am Tag danach fühlten sich die Augen nur noch müde an. Und heute brennen die Augentropfen ein wenig und ich muss aufpassen, dass ich mir nicht die Augen reibe. Aber ansonsten stört nur die Schutzbrille, die ich nachts tragen muss, damit ich mir nicht im Schlaf die Augen reiben kann. Ich kann's wirklich nur empfehlen. Meinen Wunsch, meine Augenfarbe in Grün umzuändern, kam der Doktor leider nicht nach. Blau ist ja aber auch ganz nett ;-)

