...oder so ähnlich ;-)
Irgendwie denke ich oft daran, hier mal wieder etwas zu schreiben. Und dann passiert wieder irgendwas, irgendwer will etwas oder irgendetwas muss noch dringend erledigt werden.
Grad im Urlaub, so am Pool liegend und auf's Meer schauen, dachte ich: Ach was, ich kauf mir so ein kleines Boot und schipper einfach nur noch durch die Welt und über die Meere. Naja, wird wohl heute und morgen nichts werden, aber träumen darf man ja :-)
Und während man die Tage vor Silvester immer wieder stimmungsvolle Zitate und Glückwünsche für das neue Jahr bzw. Rückblicke auf's alte Jahr auf Facebook gelesen hat, fragt man sich schon, was denn letztes Jahr eigentlich war und wie man es als "Gesamtpacket" (das Ref prägt halt immer noch) betrachten und beurteilen würde.
Ereignisreich wäre wohl der passende Ausdruck. Zu Beginn voll im Examensstress, immer die Angst im Nacken, was passiert, wenn man es doch nicht schafft. Dann die Zusage für den Job in Alexandria, die auf der einen Seite natürlich sehr beruhigt, weil es schön zu wissen ist, dass man nach der Ausbildung nicht für lange Zeit beim Jobcenter rumhängen muss, die auf der anderen Seite aber noch nervöser macht, denn wer will so eine Stelle schon absagen, weil man durch's Examen gefallen ist? Aber dann ging ja doch alles gut und die Behördenrennerei und Umzugsplanung konnten beginnen. Im Nachhinein halb so wild, mittendrin sah's da schon anders aus. Im Dezember erhielt ich dann tatsächlich eine Mail von meinem deutschen Geldgeber, mit der Bitte, einer Kollegin, die an einer Schule in Sharm el sheikh beginnt, unterstützend unter die Arme zu greifen und ihr zu erklären, wie das mit den Behörden so funktioniert. Bezeichnend, dass sie das nicht selber können, aber man ist ja nett und hilfsbereit. Im Mai durfte ich dann zum ersten Mal meine zukünftige Wahlheimat besuchen und bin da heute noch dankbar für die Idee und Unterstützung, wirklich vorher zu fliegen. Denn auch wenn ich heute vieles klarer sehe und mich da bei dem ein oder anderen getäuscht habe, konnte es doch schon ein gutes Bild von der Zukunft vermitteln und man hatte ein nicht mehr ganz so blauäugiges Bild von einer Schule im Ausland. Aber heute muss ich über manches, was ich "damals" gedacht habe, wirklich schmunzeln. Ich erinnere mich zum Beispiel noch, wie ich mit dem damaligen Direktor und einer Kollegin (die ebenfalls zurück nach Deutschland gegangen ist) auf dem Dach saß und wir uns über die Kolleginnen unterhalten haben. Die, die schon da waren und die, die noch kommen sollten. Da meinte ich, Menschen, die den Mut besitzen ins Ausland zu gehen (noch dazu ins muslimische) und dort leben und arbeiten, müssten doch gute Menschen sein. Gut nicht unbedingt im moralischen Sinne, aber so vom Idealismus und der Energie her gesehen. Menschen, die etwas bewegen wollen, voller Tatenkraft sind und dabei optimistisch. Nun ja, heute verstehe ich die Blicke des Direktors und der Kollegin und das leichte Lächeln, mit dem sie mich nach dieser Aussage bedacht haben. Da gibt es unter den Kolleginnen gestrandete Existenzen, die einfach nirgendwo sonst hinkönnen oder die, die man auch in Deutschland hat: ewig miesepetrig, nörgelnd und jammernd oder die, die keine Ahnung haben, von dem was sie tun. Aber ich habe hier auch wirklich liebe Menschen getroffen und durch die ich auch die Nachteile des Auslandsschulwesens erkenne: die Kurzlebigkeit. Keiner ist hier mit dem Ziel, die nächsten zehn Jahre an der Schule zu verbringen. Für jeden ist es nur eine Station, mit den unterschiedlichsten Zielen danach.
Alles in allem sind es dann doch die Schüler, die das ganze prägen. Und mit denen habe ich ja nun - wie schon öfter erwähnt - wirklich Glück gehabt. Klar gibt es auch unter ihnen solche, die ich schlicht und ergreifend nicht leiden kann und mir jeden Tag Mühe geben muss, ihnen trotzdem mit einem Lächeln zu begegnen. Die Mehrzahl von ihnen mag ich aber einfach nur. Liebenswert, fleißig, bei weitem nicht perfekt, aber mit Sonne mit Herzen. Und wenn man dann jeden Morgen stürmisch begrüßt und angelacht wird, macht es auch einfach nur Spaß.
Aber ich war im Mai stehen geblieben. Die nächsten drei Monate dann das typische Leben eines Arbeitslosen gelebt. Mit dem Unterschied, immer zu wissen, dass es nur auf Zeit ist. Viel gelesen, die Sonne genossen (wenn sie denn mal da war) und einfach in den Tag hinein gelebt. Über diese Zeit bin ich wirklich sehr froh, denn diese Ruhephase nach dem Examen und vor dem Aufbruch ins Neuland waren wirklich nötig. In Ägypten angekommen dann erst mal gewartet. Da wurde der Schulbeginn ständig verschoben, weil die politische Situation noch angespannt war. Das erwartet uns ja jetzt vielleicht wieder. Und so hat das ägyptische Schulministerium schon beschlossen, dass nächste Woche zwei Tage außerplanmäßig frei sind - nur unsere Schule hat sich offiziell noch nicht geäußert. Für heute - dem Tag der koptischen Weihnacht - hofft man ebenfalls, dass nichts schlimmes passiert (bisher scheint es allerdings ruhig zu sein). Aber das ist halt Ägypten. Politisch ruhig wird's in den nächsten Monaten (wenn nicht gar Jahren) wohl nicht werden. Ein wichtiger Schritt war für mich dann Ende August - trotz der politischen Unruhen - vom Randgebiet in die Stadt zu ziehen. Hier ist es gefährlicher, in dem Sinne, dass hier mehr Demonstrationen stattfinden und immer mal wieder, irgendwo ein Auto angezündet wird, aber für mein Wohlbefinden hat sich der Umzug eindeutig gelohnt. Klar, im Randgebiet hatte ich den Strand, aber hier fühle ich mich mehr am Leben beteiligt. Von der viel geringeren Fahrtzeit zur Schule mal abgesehen, die aber auch nicht unwesentlich ist. Und damit eine Kollegin getroffen, die nicht nur meine Vermieterin und Nachbarin ist, sondern ganz schnell zu einer sehr guten Freundin wurde, die ich nicht missen möchte. Leider verlässt sie Ägypten in diesem Jahr, aber daran denke ich noch nicht.
Das Vorhaben Arabisch zu lernen, wurde mit Privatunterricht gestartet, der dann im Dezember zum erliegen kam. Ich hatte einfach zu viel zu tun, meine Lehrerin ebenfalls. Aber das ist einer der wenigen Vorsätze für's neue Jahr: den Unterricht ganz bald wieder aufzunehmen.
Großartig in diesem Jahr waren auf alle Fälle meine Urlaube. Nach Jahren der mehr oder weniger finanziellen Mittellosigkeit, jetzt endlich die Möglichkeit, in den Ferien tatsächlich wegzufahren und ohne große finanziellen Sorgen leben zu können. Trotz des relativ teuren Hobbys, des Tauchens. Urlaub machen, Miete bezahlen können, sich nicht mehr all zu viele Gedanken darum machen zu müssen, ob das Geld für mehr als Brot und Milch reicht, alleine aus diesen Gründen würde ich vor allem das Jahresende als gelungen betrachten. Und so verdiene ich hier zwar nicht mehr als bei einem Job in Deutschland, aber durch das relativ günstige Leben, hat man einfach mehr davon. Und so bleibe ich definitiv noch so lange, bis ich ein Sparpolster habe, das mir auch in Deutschland mehr Ruhe gibt.
Und so gibt es eigentlich auch kaum mehr private Vorsätze für das neue Jahr: arabisch lernen und ein bisschen mehr sparen. Reicht ja auch. Und mit dem Rauchen aufhören kann ja wohl jeder ;-) Berufliche Vorsätze gibt es da ein wenig mehr. aber das würde hier an dieser Stelle langweilen. Ich denke, ich habe jetzt die ersten Monate dazu gebraucht, mich in meinen neuen Rollen halbwegs zurecht zu finden, so dass ich in diesem Jahr mehr auf die Details achten kann. Aber es ist halt auch Wahnsinn, wenn man bedenkt, mit was man alles plötzlich konfrontiert ist, mit dem man erstmal nicht gerechnet hätte. Hieß es zu Beginn, dass man Klassenlehrerin einer Klasse und die Fortbildungskoordinatorin der Schule wird, sind's dann plötzlich zwei Klassen, die man betreuen muss und neben dem Fortbildungsgedöns auch noch die Mittelstufenleitung. Da muss man sich auf einmal mit Dingen beschäftigen, die einem noch vor einem halben Jahr völlig fremd waren. Aber es macht ja auch Spaß und zum Glück ist der neue Direktor so nett und kompetent, dass man es irgendwie schon hinbekommt.
Nun ja, warten wir mal ab, was das Jahr 2014 so mit sich bringt. Jetzt heißt es erstmal arbeiten, arbeiten, arbeiten. Die Halbjahreszeugnisse stehen vor der Tür, ein Vorlesewettbewerb wartet, die Klassenfahrt nach Wien im Juni muss organisiert werden und die Sommerferien sind noch ein wenig hin. Aber im Großen und Ganzen freue ich mich auf die Zeit und bin einfach nur gespannt.