Dienstag, 10. September 2013

kulturelles Unverständnis

Ihr Lieben, jetzt stehe ich hier kurz vor meinem ersten Wutanfall aufgrund von kulturellen Differenzen - nett ausgedrückt. Aber irgendwie kam jetzt auch einiges zusammen.

In chronologischer Reihenfolge:

1. Gestern wurde über meinen Kopf hinweg entschieden, dass ich heute mit einer Kollegin zur Schule fahren sollte, weil die Kollegin, mit der ich mir eigentlich das Taxi teile, zum Passamt muss. Am Abend rief mich eine dritte Kollegin an, die mir nebenbei erzählte, dass sie heute auch mit der Kollegin fährt, der ich eben auch zugeteilt war. Auf meine Frage, ob denn dann im Auto überhaupt noch Platz für mich sei...Schweigen...nein. Weil dann der Kindersitz nicht mehr reinpassen würde. Und das Kind ja nicht auf den Schoß kann. Gut, die Kollegin wusste auch nicht, dass ich mitfahren sollte, trotzdem komisch. Nun ja. Hab ich meine ägyptische Chefin angerufen, ihr die Situation geschildert und ihr vorgeschlagen ich bleibe zuhause (dann hab ich wenigstens Zeit meine Sachen zu packen). Das geht ja natürlich überhaupt nicht und so habe ich ne Stunde mit Hinz und Kunz telefoniert, weil meiner Chefin immer mehr Möglichkeiten eingefallen sind, die am Ende alle nicht funktioniert haben. Erschwerend kommt hinzu, dass sich diese Frau keine Sachen merken kann und so verlief dann auch das Gespräch. 

Ein Auszug (stark gekürzt):

Chefin: ach, dann holt dich a. vom Passamt ab. Ich stelle euch dann eine Bescheingigung aus, dass ihr zu spät kommen dürft. (ohne diese Bescheinigung gibt's Lohnabzug für die Ortslehrkräfte)
ich: ok, ich ruf sie an und frage sie

ich rufe also a. an

ich: hey a., die Chefin meint, du sollst mich morgen vom Passamt abholen. Würdest du das tun?
a.: na klar hole ich dich ab. Aber ich nehme doch auch immer s1 und s2 mit.
ich: okay, das ist ein Problem. Ich rufe die Chefin noch mal an und frage sie, ob die beiden dann auch so eine Bescheinigugn bekommen.

Telefonat mit der Chefin:

ich: Hallo, wir haben ein Problem. a. nimmt doch morgens immer s1 und s2 mit.
Chefin: Aber das ist doch kein Problem, ihr passt doch alle ins Auto
ich: Ja, aber wir kommen doch dann alle zu spät.
Chefin: Ist doch nicht schlimm. Dann seid ihr halt statt um 9 um 9.30 da.
ich (zum x-ten Mal): Aber wir kommen dann nicht 9.30, sondern zwischen 11 und 11.30, weil ich erst um 10 Uhr beim Passamt bin...
Chefin: Achso...ok, dann bleiben Sie morgen zuhause und ich stelle ihnen eine Bescheinigung aus, dass sie fehlen durften.

Das mit der Zeit habe ich ihr in der ganzen Stunde, die das dauerte bestimmt 5x gesagt und sie verpeilte es jedes Mal aufs Neue. Weitere Vorschläge: Fahr doch mit C. - geht nicht, weil die auch mit der Kollegin fährt, die keinen Platz mehr hat; Was ist denn mit dem Taxifahrer von T.? - Das ist der, der die Kollegin zum Passamt fährt; Dann hole ich dich vom Passamt ab - okay, dann sei 10 Uhr da - ach um 10? Nein, um 10 Uhr muss ich in der Schule sein... Du meine Güte! 

Ganz ehrlich, wäre Unterricht und ich sinnvoll beschäftigt, hätte ich mir ein Taxi von der Straße genommen. Aber ich zahle ja keine 100 LE, nur damit ich 4 Stunden Kaffee trinken und quatschen kann. Und da verstehe ich auch ehrlich gesagt nicht die Aufregung...

2. Gestern war der Hauswart da, dem ich erzählt habe, dass ich ausziehe. Er freute sich, konnte sehr gut nachvollziehen, dass ich weiter in die Stadt möchte und meinte auf meine Frage, nach offenen Beträgen, dass ich nur noch die Nebenkosten zahlen müsste. Kam mir schon komisch vor. Heute morgen stand er wieder vor der Tür und erklärte mir, dass er gestern leider was getrunken (!!!) hatte und vergessen hatte, dass das doch ein Problem ist. Die Hauseigentümern hätte gerne die Saisonmiete...6000 LE, 4000 LE...was weiß ich. Geht nicht. Mach ich nicht. Mein Angebot, ihm den September noch die Miete von 2000 LE zu zahlen, steht ja nach wie vor, aber übertreiben werde ich's auch nicht. Zumal ich noch nicht mal nen Mietvertrag habe oder Kaution gezahlt habe. Jetzt telefoniert eine Kollegin mit der Vermieterin und klärt das - insha'allah!

3. Als ich die Kollegin anrief, um sie zu bitten, dass sie die Vermieterin anruft, kam sie gerade aus dem heutigen Meeting. Dort haben die Kolleginnen erfahren, dass wir am Donnerstag in die Schule sollen, weil die Bücher für die Schüler sortiert und ausgeteilt werden müssten. Die Bücher sind allerdings schon seit Tagen da. Warum man die nicht schon längst sortiert und ausgeteilt hat? Weil Schulbücher hier natürlich Chefsache sind und die Chefin leider keine Zeit hat. Seit drei Wochen sind wir in der Schule, es war von Anfang an klar, dass die Donnerstag frei sind, weil wir ja eh nix zu tun haben. Und jetzt soll der Donnerstag auf einmal nicht mehr frei sein, weil man hier nicht in der Lage ist, Schulbücher auf einem einfacheren Weg auszuteilen?! Davon abgesehen, dass wir ja auch am Samstag in die Schule müssen, um die Eltern zu begrüßen (deren Kinder ich noch nicht mal kenne), wollte ich am Donnerstag umziehen. Das stand fest!

Lange Rede, kurzer Sinn (ich muss langsam weiterpacken): ich ziehe jetzt morgen nach der Schule um. Heißt dann zwar 4 Stunden Taxifahrt an einem Tag, aber dann kann's mir egal sein, ob wir Donnerstag Bücher stapeln oder nicht. 

Bisher war ich ja sehr entspannt, was diese Mentalität angeht, aber grad eben regt's mich nur auf. Bei Gelegenheit muss ich hier mal schreiben, wie's um die Kommunikation an der Schule zwischen dem Schulleiter und der ägyptischen Chefin bestellt ist. Der Schulleiter machte diese Woche nämlich auch schon mal den Eindruck, als hätte er jetzt schon keine Lust mehr. Verübeln kann ich's ihm nicht. Da läuft einiges falsch. Als Lehrer hat man ja immerhin die Möglichkeit, einfach in der Klasse zu bleiben und alles andere zu umgehen. Das funktioniert bei ihm leider nicht. 

Naja, ab Sonntag sind dann die Schüler da, dann geht's aufwärts!

1 Kommentar:

  1. Das Bild ist sauber, aber weiter unten im Text nicht. Da stehen 2 fast unleserliche Zeilen mit "....Cafe...beobachten..." die nichts mit dem Blog zu tun haben.

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