Nun hat heute die zweite Vorbereitungswoche begonnen und entgegen der Informationen von letzter Woche, steht uns auch noch eine dritte Vorbereitungswoche bevor. Der ägyptische Schulminister hat einen Schulbeginn vor dem 14.9. verboten und nachdem klar wurde, dass wir auch keine Ausnahmegenehmigung bekommen, muss man sich langsam Gedanken machen, was man den ganzen Tag in der Schule anstellen kann. Ohne Schüler. Ohne Arbeitsbereich. Ohne Bücher. Ohne Plan.
Den Direktor in der gestrigen Konferenz darauf angesprochen, war ich mal wieder die Einzige, die ihren Wunsch nach freien Tagen geäußert hat. Und mit freien Tagen meine ich nicht den Donnerstag und das Wochenende. Sondern richtig frei. Ne Woche, oder so. Naja, daraus wird nix. Der Schulleiter vertraute mir heute im Vier-Augen-Gespräch an, dass das nicht in seiner Macht stünde. Und die ägyptische Verwaltung hat die Vorstellung, dass wer bezahlt wird, auch anwesend zu sein hat. Dass das bei Lehrern vielleicht nicht ganz so ist, sieht man hier nicht so. Und so trinke ich eben weiter Kaffee, quatsche und rauche mit den Kolleginnen. Notfalls auch den ganzen Tag. Wobei ich heute tatsächlich Tische in meinen Klassenräumen hatte und dementsprechend räumen konnte. Wie man mit den Tischen umgehen soll, von denen kein einziger nicht wackelt, weil sie krumm und schief sind, konnte mir noch niemand sagen.
Dann gab's eine erneute Änderung der Stundenverteilung, weil am Wochenende die noch fehlende deutsche Kollegin abgesagt hat. Sie glaubt nicht mehr an die Sache. Gut, dann muss man wohl wirklich in Deutschland bleiben. Sie läuft jetzt erstmal den Jakobsweg. An sich ja ne schöne Sache, aber ob's davon besser wird? Der Direktor war wohl richtig wütend, hatte er doch am Donnerstag die Stundenpläne fertig. Nun hieß es für ihn umplanen, umschichten, umorganisieren. Und weil ich mit meinen 18 Stunden ja relativ wenig "normalen" Unterricht hatte, war mir durchaus klar, dass da noch einiges auf mich zukommt. Nach einigem Hin und Her, bekomme ich jetzt nur noch die 7. Klasse in Deutsch dazu. Und die 7. als Klassenlehrerin, zusätzlich zur 6. Vorteil ist, dass der Direktor jetzt erstmal ein super Bild von mir hat (mal sehen, wie lange noch) und dass die Klassen so klein sind, dass es sich vom Korrekturumfang in Deutsch hoffentlich in Grenzen hält. 20 Schüler in beiden Klassen. So wenige Schüler hat man in Deutschland noch nicht mal in einer Klasse.
Auch schön zu wissen, dass der Direktor hinter einem steht. Denn die ägyptische Verwaltung kam heute morgen auf mich zu, mit dem Auftrag meine Klassenräume zu "schmücken". Mit Plakaten o.ä. Aber ich will keine Plakate aus dem letzten Jahr aufhängen. Die Schüler sollen ja im Laufe des Jahres selbst an der Gestaltung beteiligt sein. Leere Klassenzimmer mag aber der Schulträger nicht. Ist das mein Problem?! Jedenfalls habe ich von diesem Gewissenskonflikt dem Direktor erzählt und der sagte direkt, ich solle es so machen, wie ich das für richtig halte. Er kümmert sich drum. Sehr gut!
Habe ich schon erwähnt, dass ich gerne ne Woche frei hätte?! Jetzt hatte sich schon die Idee festgesetzt, ne Woche tauchen zu fahren. Die Idee wieder loszulassen, fällt mir zugegeben sehr schwer. Nicht, dass ich nicht arbeiten möchte, aber langsam geht einem halt die Arbeit aus. Die Lehrer der anderen Schule fahren nächste Woche z.T. in die Wüste, ein anderer ist in Kairo bei Freunden - so hätte ich das auch gerne! Ach ich merke schon, ich muss mich von der deutschen Neidkultur befreien ;-)
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