Jetzt fällt mir erstmal auf, dass es wirklich schon ganz lange her ist, dass ich hier geschrieben habe. Ich würde ja behaupten, dass der Stress mich davon abgehalten hat - aber so richtig stressig empfinde ich mein Leben gar nicht. Klar, es ist viel zu tun. Unterrichtsvorbereitung, die ersten Klassenarbeiten stehen an und außerunterrichtlich ist auch ne Menge zu tun. Aber Stress ist so negativ behaftet und das könnte ich wirklich nicht sagen.
Ich kann aber mittlerweile behaupten, dass ich angekommen bin. Ich fühle mich nicht mehr so fremd, habe eine gewisse Routine bekommen (zu der Blogschreiben leider nicht unbedingt zählt) und fühle mich sehr wohl. Schlechte Momente hat ja jeder mal, aber solange die schönen Momente überwiegen, ist alles schick. Und das tun sie definitiv!
Ich war ja in den Ferien eine Woche lang untergetaucht - im wahrsten Sinne - und freue mich schon sehr auf das nächste Mal. Einfach toll! Auch wenn ich alleine unterwegs war und ich mir nicht sicher war, ob das wirklich schön ist, haben sich meine Befürchtungen nicht bewahrheitet. Die Ägypter sind alle so hilfsbereit, dass ich selbst die langen Busfahrten gut überstanden habe und vor Ort ist man durch die Tauchbasis immer unter Menschen und sozial gut aufgehoben.
Und trotz, dass ich natürlich gerne viel länger geblieben wäre (mein Konto ist mir allerdings dankbar, dass ich wieder zurück musste), fährt man am ersten Schultag nicht ungerne in die Schule. Im Gegenteil, ich habe mich auf meine Schüler sehr gefreut. Die sind so süß! Ich muss hier trotzdem regelmäßig einige Zitate aufschreiben, damit ich das nicht alles vergesse. Manchmal hauen die Sachen raus...
Letzte Woche zum Beispiel kam ein Schüler beim Fahnengruß zu mir:
Schüler: Warum heißt es "Wie heißt du?" und nicht "Was heißt du?"
ich: Also zunächst einmal heißt es, wenn du mich fragst "Wie heißen Sie?"...
Schüler: Ja, aber wenn man fragt, wie etwas gemacht wird, dann heißt es auch "Wie machst du das?" Warum benutzt man bei beiden dasselbe Fragewort, obwohl es doch um zwei völlig verschiedene Sachen geht?! Ich versteh das nicht!
Zugegeben, er hat es nicht wortwörtlich so gesagt, so dass ich einige Mühe hatte, ihn zu verstehen (bzw. seine eigentliche Frage) und so haben wir das Problem auf die Stunde nach dem Fahnengruß verschoben.
Im Klassenzimmer wurde mir dann langsam, unter Mithilfe seiner Mitschüler, klar, was er eigentlich meint. Zusätzlich erklärte er mir, dass das im Arabischen viel leichter wäre, da hieße es doch auch "Was heißt du?".
"Frau W., die Deutschen machen das ganz falsch!"
Nun kann ich nicht sagen, dass wir das falsch machen, aber so ganz unrecht hat er nicht. Deutsch ist schon nicht so einfach. Grammatikalisch ist Arabisch tatsächlich viel einfacher aufgebaut. Aber das kann ich leider auch nicht ändern. Der Schüler war dabei aber so süß empört, dass ich die ganze Zeit nur grinsen musste.
Überhaupt grinse ich viel im Unterricht, weil die Schüler - auch wenn sie typisch ägyptisch sehr sehr lebhaft sind - sehr fleißig sind und sich über kaum etwas beschweren.
Wir haben ein Probediktat geschrieben, weil morgen das richtige Diktat ansteht. Das fiel nun gar nicht gut aus, obwohl ich in meinem Leben noch nie so deutlich gesprochen habe. Und weil ich noch was für die andere Klasse vorbereiten musste und dafür Zeit gebraucht habe, haben die Schüler die Aufgabe bekommen, das Diktat noch mal richtig abzuschreiben. Ich entschuldigte mich gleichzeitig, dass ich wüsste, dass die Aufgabe nicht sehr spannend wäre, aber man auch beim Abschreiben lernen kann. Da guckt mich ein Schüler freudestrahlend an und sagt "Nein, das ist doch ne tolle Aufgabe!" Nun ja... Geschmäcker sind verschieden :-)
Im nachfolgenden Geschichtsunterricht habe ich der 7. Klasse versucht zu erklären, was es mit der Redewendungen "Er bricht mit Traditionen" auf sich hat.
Also liebe Kinder, Traditionen sind Dinge, die man immer wieder auf eine bestimmte Art macht, ohne dass das irgendwie festgeschrieben sein muss. Dass es Weihnachten ganz oft Ente zu Essen gibt, ist so eine Tradition zum Beispiel. - Fragezeichen in den Augen - Okay, ich versuche es euch anders zu erklären. Wenn Frau H. und ich nach Hause kommen, läuft das jeden Tag gleich ab. Sie gibt dem Kater Futter, während ich Kaffee koche. Das machen wir jeden Tag, ohne Ausnahme. Das ist unsere Tradition. Wenn jetzt Frau H. heute duschen geht, statt den Kater zu füttern, dann bricht sie mit der Tradition. - Achsoooo! Ich freue mich schon auf den Geschichtstest, wenn ich da nachlesen kann, dass Frau H. mit der Tradition bricht, weil sie duschen geht...
Ja, und so kann man vielleicht nachvollziehen, warum ich nicht ungerne zur Schule gehe.
Für heute habe ich aber auch wieder genug gearbeitet und da freue ich mich doch sehr auf den Wein, den es gleich bei Frau H. gibt :-)

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