Montag, 8. Juli 2013

Rückblick: Der lange Weg der Arbeitserlaubnis

Im Laufe der Vorbereitung auf die neue Stelle (und Herausforderung) erlebt man nicht nur Schönes. So wurde mir bei meinem Aufenthalt in Alex im Mai schon mal ansatzweise die rosorote Brille abgenommen, nichtsdestotrotz haben die positiven Bilder klar überwogen. Tun sie auch heute noch. Und sie lassen mich so manche Situation überstehen, in der man ganz kurz davor ist, zu sagen, ich bleibe doch hier. Eine dieser Situation durfte ich im Juni erleben, als ich in Berlin bei der Ägyptischen Botschaft war. Aber kurz von vorne.

Bereits im März erhielt ich von meiner neuen Schule Übersetzungen meiner Zeugnisse. Diese sollte ich nun bei der Ägyptischen Botschaft in Berlin legalisieren lassen, damit man damit meine Arbeitserlaubnis beantragen könne. Hey super, ich darf noch mal nach Berlin fahren, Freunde besuchen und bekomme die Fahrt sogar bezahlt. Die Legalisierung an sich kann ja wohl nicht so lange dauern. Weit gefehlt. 

Um die Wartezeit bei der Botschaft im Rahmen zu halten, rief ich also bei der Botschaft an, um einen Termin auszumachen. Der nette Herr am Telefon fragte mich, was ich erledigt haben möchte und klärte mich geschwind auf, dass es so einfach, wie ich mir das denke mitnichten funktioniert. Natürlich. Zunächst einmal sind die Übersetzungen meiner Zeugnisse, auch wenn sie von dem Übersetzer der deutschen Botschaft in Kairo angefertigt wurden, hier überhaupt nichts wert. Die Übersetzung müsste von einem Kollegen in Deutschland angefertigt werden, der nicht nur vereidigt ist, sondern auch noch in einem bestimmten Teil Deutschlands ansässig ist. D.h., wohne ich in Thüringen, darf der Übersetzer ausschließlich in Berlin oder den neuen Bundesländern agieren. Gäbe es also einen Übersetzer, der nur 5 km von mir entfernt wohnt, dürfte ich diesen nicht auswählen, weil 5 km weiter schon Bayern ist. Auf meine - wie ich auch heute noch finde - berechtigte Frage, ob die Botschaft eine Liste mit von ihnen anerkannten Übersetzern hat, erhielt ich - natürlich - die Antwort "nein". Warum? Weil man keine Werbung machen dürfe. Worin liegt die Werbung, wenn man eine Liste mit ALLEN Übersetzern rausgibt?! Und seien wir ehrlich, so viele Übersetzer für die arabische Sprache gibt es auch wieder nicht. Nun gut. Um den Problemen aus dem Weg zu gehen, habe ich einen Übersetzer in Berlin gefunden, der mir die Zeugnisse für einen Schnäppchenpreis von 50 Euro pro Zeugnis übersetzt. Netto. Gesagt, getan! Desweiteren klärte mich der nette Mann von der Botschaft auf, müsse ich Beglaubigungen der Zeugnisse mitbringen. Na, wenn's weiter nichts ist! 

Nun zog sich das alles ein wenig hin, weil ich ja noch auf mein 2. Staatsexamen warten musste, zwischendurch noch in Alex war und der Übersetzer auch ein wenig Zeit brauchte. Zwischenzeitlich kam dann auch die Mail von der ZfA, dass ich für meinen Dienstpass die Fingerabdrücke bei der Ägyptischen Botschaft abgeben kann (die zwar schon beim Auswärtigen Amt abgenommen wurden, aber nicht weitervermittelt werden dürfen) und ich dachte mir, super, kannste gleich alles miteinander verbinden.

Ich also freudig erregt nach Berlin gefahren, ein paar schöne Tage mit Freunden verbracht und am vorletzten Tag zur Botschaft gefahren, bei der ich um 11 Uhr einen Termin hatte.

Zuerst einmal die Fingerabdrücke abgegeben, noch mal Fotos gemacht (sie haben ja erst 8 von mir vorliegen) und nett mit dem Mitarbeiter geredet. Dann zum Thema Zeugnislegalisierung übergeleitet. Der Mitarbeiter nimmt meine übersetzten Zeugnisse, die Originale (die ich sicherheitshalber mitgenommen habe) und die beglaubigten Kopien, schaut sie sich kurz an und verfrachtet mich in den Wartebereich, er müsse erst noch mit einem Kollegen sprechen.

Ich warte also...

Der Herr kommt zurück in den Warteraum und erklärt mir mit einem Lächeln im Gesicht, dass man die Zeugnisse so leider nicht legalisieren könnte. Ich dachte, ich schrei den Laden zusammen... Und warum geht das nicht? Weil man die Übersetzungen erst noch beim Landgericht beglaubigen lassen müsse - man will ja sicher gehen, dass der Übersetzer tatsächlich vereidigt und dazu in der Lage ist - und die beglaubigten Kopien nichts wert sind. Wenn die Botschaft von Beglaubigungen redet, meint sie nämlich nicht die beglaubigten Kopien, wie das normal Fußvolk es versteht, sondern Stempel, die man nur bei bestimmten Behörden bekommt, und die bestätigen, dass es sich tatsächlich um echte, anerkannte Zeugnisse handelt. Mittlerweile war's 11.30 Uhr.

Ich raus aus der Botschaft, Smartphone sei Dank, die Adressen der jeweiligen Behörden rausgesucht und im Kopf überschlagen, ob ich das heute alles noch schaffe. Das Landgericht hat bis 13 Uhr auf, das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten bis 15 Uhr, genauso wie die Botschaft. Mir bleiben also 3,5 Stunden die zwei Behörden aufzusuchen und mir die Stempel zu holen, ausgenommen die Fahrt- und Wartezeiten. Im Laufschritt zur S-Bahn, atemlose Ankunft beim Landgericht. Mit Wohlwollen festgestellt, dass es keine wartenden Besucher gibt und die Sachbearbeiterin sehr nett ist. Die Freude verging mir allerdings, als sie mir erklärte, dass der Stempel 3-4 Tage dauert und man mir die Unterlagen nach Hause schicken würde. Hatte aber den Vorteil, dass ich ab diesem Moment wusste, dass ich mir Zeit lassen kann. 39 Euro bezahlt und ab zur LABO. Auch dort, erstaunlicherweise keine Besucher vor mir und wieder eine sehr nette Mitarbeiterin, die mir jedoch gleich erklärte, dass sie meine Zeugnisse so nicht beglaubigen kann, weil ich vorher einen Stempel der Uni bräuchte, der bestätigt, dass die Unterschriften auf den Zeugnissen auch wirklich von jemanden sind, der dazu berechtigt war. Wengistens gab sie mir gleich eine Adresse und Namen, wo diese Leute der Uni zu finden sind. Leider leider leider gab es aber nach diversen Baumaßnahmen Umzugsaktionen der Uni und dort, wo die zuständigen Leute sitzen sollten, sitzt jetzt die Sekretärin des Landwirtschaftlichen Instituts. Der Fairnesshalber muss man sagen, auch diese Dame war sehr nett. 14.15 Uhr kam ich dann endlich in der richtigen Abteilung der Uni an und konnte mir meine Stempel abholen. Nun habe ich es schwarz auf weiß, dass nicht der Hausmeister und die Putzfrau die Zeugnisse unterschrieben haben und mein Zeugnis nicht gefälscht ist. Was hab ich ein Glück! Und das Ganze hat noch nicht einmal etwas gekostet! Ich also zurück zur LABO, wo man mein Bachelor- und Masterzeugnis mit einem weiteren, 26 Euro teuren, Stempel versah, mich aber gleichzeitig aufklärte, dass man das nur für meine Berliner Zeugnisse machen könnte, das 2. Staatsexamen muss - natürlich - in NRW beglaubigt werden. 

Ich mach's kurz: auch das hat irgendwann funktioniert und mittlerweile sind die Übersetzungen und Originalzeugnisse inkl. 3 Stempel in Ägypten. Ich rechne ja schon fest damit, dass ich bei meiner Rückkehr alle Zeugnisse erneut beantragen muss, weil sie entweder mit den Stempeln nicht mehr anerkannt werden oder gar in Ägypten bei irgendeinem Amt verschwinden. Wundern tut mich da gar nicht's mehr. 

Im Übrigen hat mich (bzw. meine Eltern) der ganze Spaß irgendwas zwischen 500 und 600 Euro gekostet. Ich frage mich immer wieder, wie man das ohne den finanziellen Rückhalt der Familie schaffen soll. Natürlich kann man die Erstattung beantragen, aber von den 130 Euro Eigenanteil mal abgesehen, warte ich noch heute auf die Zahlung des ZfA.

Nebenbei gesagt, zweifel ich sehr daran, dass ich in nächster Zeit eine Arbeitserlaubnis erhalte. Nicht nur wegen der politischen Situation in Ägypten. In dieser Beziehung ist der Sturz Mursis ganz gut, weil wir die Chance haben, dass Ägypten sich wieder auf westlich-denkende, Demokratie-vertretende Lehrer einlässt. Vielmehr glaube ich, dass selbst bei schneller Regierungsfindung die Bürokratie einen langen Atem unsereins fordert. 

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